InterviewInterview mit Katharina Ockert Die Bildung eines Netzwerks ist das Ziel

Kathrina Ockert ist neue Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit. Foto: privat
Kathrina Ockert ist neue Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit. Foto: privat

Um die freiwilligen Helferinnen und Helfer bei der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit zu unterstützen, hat der Landkreis Göppingen eine Koordinatorin für diesen Bereich eingestellt. Katharina Ockert muss gleich Vollgas geben.

Region: Andreas Pflüger (eas)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken
Kreis Göppingen – - In fast allen Kommunen im Stauferkreis gibt es Menschen, die sich in der Flüchtlingsarbeit ehrenamtlich engagieren. Manchmal stoßen die Freiwilligen aber an Grenzen und brauchen Hilfe. Diese kann von nun an die Koordinatorin im Landratsamt, Katharina Ockert, anbieten.
Frau Ockert, wer eine neue Stelle antritt, kann sich für gewöhnlich erst mal ein wenig einfinden. Sie mussten hingegen gleich von null auf hundert durchstarten.
Das stimmt. Ich bekam teilweise schon vorher Anfragen und Einladungen zu Gesprächsterminen und habe bereits einige konkrete Aufgaben zu bearbeiten, die aufgrund der hohen Flüchtlingszugänge eine gewisse Dringlichkeit besitzen. Deshalb bin ich froh, dass ich durch meine bisherige Tätigkeit als Sozialbetreuerin für Asylbewerber schon über zahlreiche Erfahrungen in der Arbeit mit den Flüchtlingen sowie in der Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen verfüge und in der Materie drin bin.
Seit einer Woche arbeiten Sie zu 50 Prozent als Koordinatorin für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit beim Landratsamt. Was sind, grob umrissen, Ihre Aufgaben?
Meine Aufgabe ist es die Freundes- und Arbeitskreise, die in den diversen Städten und Gemeinden aktiv sind, miteinander zu vernetzen, sie zu beraten und zu unterstützen. Auch für neue Initiativen werde ich die erste Ansprechpartnerin sein, um über die Möglichkeiten der ehrenamtlichen Unterstützung von Flüchtlingen zu informieren oder Interessenten an entsprechende Gruppen zu vermitteln. Eine wichtige Säule wird aber auch die Entwicklung von Schulungen sein, um den Freiwilligen das nötige Hintergrundwissen zu vermitteln und sie fachlich und emotional auf die ehrenamtliche Tätigkeit vorzubereiten.
Haben Sie ein Beispiel parat?
Wir werden unter anderem Sprachbegleiter speziell schulen und einen sogenannten Dolmetscherpool anlegen, da wir häufig Personen benötigen, die für die Asylbewerber übersetzen können. Zudem soll eine kreisweite Homepage entwickelt werden, um den Ehrenamtlichen und anderen Interessierten einen leichten Zugang zu Informationen für die Flüchtlingsunterstützung und zum Thema Asyl zu ermöglichen.
Gibt es vor Ort genügend freiwillige Helfer oder womöglich gar zu viele? Bei den Sachspenden sind die Annahmestellen jüngst ja fast aus allen Nähten geplatzt und konnten so gut wie nichts mehr annehmen.
Generell erreicht uns sehr viel Unterstützung, sei es in Form von Spenden oder in Form von personeller Hilfe. Vom Café Asyl, wo sich Flüchtlinge und Einheimische kennen lernen können, bis hin zum Dolmetschen im Jobcenter für die anerkannten Asylbewerber, erleben wir sehr viel Hilfsbereitschaft. Bei Sachspenden kommen wir immer wieder an Grenzen. Dagegen haben wir für die persönliche Betreuung, zum Beispiel in Form einer Patenschaft oder als Sprachbegleiter, vielerorts noch Bedarf.
Das ehrenamtliche Engagement ist ja nicht nur in der Flüchtlingsarbeit unbezahlbar. Worauf gilt es dabei zu achten?
Häufig haben sich frühzeitig Strukturen gebildet und es wurden tolle Unterstützungsangebote geschaffen. Für eine erfolgreiche Arbeit mit den Asylbewerbern ist es wichtig, dass die nötigen Informationen zwischen den Sozialbetreuern und den Ehrenamtlichen ausgetauscht werden. Grundlegend ist auch, dass die Ehrenamtlichen mit den Flüchtlingen über die Form der Unterstützung vorab sprechen, denn sonst wird schnell etwas am Bedarf oder den Interessen der Leute vorbei gemacht. Das erfüllt dann nicht den eigentlichen Zweck oder kann sogar zu Frustration führen. Es ist nicht immer leicht, die ehrenamtliche Tätigkeit so zu gestalten, dass sie von allen Beteiligten als positiv empfunden wird. Gerade deshalb ist es wichtig, Schulungen und Austauschmöglichkeiten anzubieten.
Sie können nicht alles auf einmal machen, schon gar nicht auf einer halben Stelle. Worauf werden zunächst die Schwerpunkte Ihrer Arbeit liegen?
Zum einen möchte ich die Freundes- und Arbeitskreise Asyl einladen, um mit ihnen Erfahrungen auszutauschen und zu reflektieren, was bisher schon gut funktioniert hat, wo es Schwierigkeiten gab und wo es noch Bedarfe gibt. Das Ziel ist, die Gruppen miteinander zu vernetzen. Diese Analyse soll der Ausgangspunkt für meine weiteren Tätigkeiten sein. Und dann haben ja noch die Schulungen und der Aufbau des Dolmetscherpools eine hohe Priorität.




Unsere Empfehlung für Sie