InterviewInterview mit Klaus Maria Brandauer Atheist von Gottes Gnaden

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Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer, der Hollywood schon Jahrzehnte vor Christoph Waltz erobert hat, rechnet immer mit dem Teufel – und glaubt doch, dass sich seine österreichischen Landsleute in der Wahlkabine von der Vernunft überwältigen lassen.

Stuttgart hat es immer gut mit ihm gemeint: Klaus Maria Brandauer. Foto: dpa
Stuttgart hat es immer gut mit ihm gemeint: Klaus Maria Brandauer. Foto: dpa

Stuttgart - Ihm eilt der Ruf voraus, ein schwieriger Gesprächspartner zu sein. Wenn er Fragen als zu blöd empfindet, bricht er ein Interview schon mal ab. Und jetzt das! Klaus Maria Brandauer, der Jahrzehnte vor seinem österreichischen Landsmann Christoph Waltz Hollywood eroberte, erweist sich als Mann von ausgesuchter Höflichkeit, der während des Gesprächs in einem Stuttgarter Hotel sein Temperament auf sympathischste Weise von der Leine lässt. Aus dem Interview macht der 73-jährige Ausnahmekünstler eine Inszenierung. Er springt auf und deklamiert und sitzt im nächsten Moment doch wieder im Sessel, um feixend über den Teufel zu reden: „Die Idee, dass es das Böse gibt, begleitet mich seit Kindesbeinen.“

Herr Brandauer, Sie haben die Schirmherrschaft über die derzeit laufenden Stuttgarter Stimmtage übernommen. Warum?
Weil ich an der Stuttgarter Schauspielschule, mit der die Stimmtage eng verknüpft sind, ausgebildet worden bin und eine gute Erinnerung daran habe – nicht nur an die Ausbildung selbst, sondern an die ganze dazugehörige Lebensphase. In jener Zeit, Anfang der sechziger Jahre, hat meine Freundin ein Kind von mir bekommen. Ich war zwanzig und bin hoch zum Rektor, der volles Verständnis für die Nöte eines werdenden Vaters hatte: „Fühlen Sie sich wohl, das ist das Wichtigste. Dann schauen Sie, wie Sie nebenbei noch studieren können.“
Cool, würden Studenten heute sagen.
Das war es auch, auch wenn ich dieses Wort so wenig mag wie „okay“, das ich meinen eigenen Studenten verboten habe.
Was haben Sie gegen „okay“?
Ich habe gegen „okay“ eigentlich nichts, ich will ja nicht pingelig sein. Aber wenn alle Menschen dieses Kürzel dauernd gebrauchen, mit immer derselben Melodie und immer dem demselben Duktus, dann hört sich das für mich an, als hätten die Okay-Sager gar nicht verstanden, was sie da gerade bestätigt haben. Warum sagen sie nicht: Ja, mach ich! Ich erledige das! Einverstanden! Das hat doch einen ganz anderen Klang, eine andere Färbung, einen anderen Ausdruck als das uniformierte „Okay“ und erleichtert schon dadurch ein weiteres Gespräch. Ich weiß, dass ich mich auch an die eigene Nase fassen muss, weil ich solche Kürzel auch verwende. Trotzdem: Sie tragen zur Verhunzung der Sprache bei. Überhaupt könnten wir Menschen uns viel besser unterhalten, wenn wir mehr auf unsere Sprache achten würden. Ich bin ja nicht zufällig Schirmherr der Stimmtage geworden.
Aber es waren auch biografische Gründe, die Sie zu diesem Amt bewogen haben . . .
Ich habe also weiterstudiert und eines Tages, als der Tübinger Intendant an der Hochschule war, einem schon fortgeschrittenen Kommilitonen beim Vorsprechen die Stichworte gegeben. „Jo, den do, den neamer“, hat der aus Bayern stammende Intendant gesagt, aber nicht auf meinen Kommilitonen gezeigt, der ein großer, fescher Bursche war, sondern auf mich: „Na, den Kleinen da!“ Schon in meinem zweiten Semester hatte ich ein Engagement am Tübinger Landestheater in der Tasche. Unglaublich! Stuttgart war gut zu mir. Deshalb habe ich jetzt auch die Schirmherrschaft spontan zugesagt.