Interview mit Markus Babbel Seite 2: "Es ist nicht in Ordnung, wenn man abgestempelt wird"

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Meinen Sie das ernst?
Es ist nicht in Ordnung, wenn man abgestempelt wird, nur weil man nicht dabei war, als die Bundesliga gegründet wurde. Die TSG gibt es schon viel länger, nur hat sie damals eben in der Kreisliga gespielt. Und dann hat sich Dietmar Hopp eines Tages die Mühe gemacht, das Ganze etwas größer aufzuziehen. Er hat dafür niemanden betrogen, es ist sein privates Geld, das er investiert hat. Ich habe es daher schon immer als Unverschämtheit empfunden, wenn andere Clubs sagen: wir haben Tradition und ihr nicht. Hoffenheim hat es sich sportlich hart erarbeitet, in der Bundesliga zu spielen, das ist alles sauber abgelaufen. Im Übrigen: jeder Verein würde das Geld annehmen, wenn er solch einen Mäzen hätte.

Ist es für Sie als Fußballtraditionalisten nicht dennoch manchmal komisch, nach Stationen bei den Bayern oder in Liverpool bei einem Verein zu arbeiten, dem die große Historie fehlt?
Nein. Mich hat Hoffenheim schon immer fasziniert. Ich habe das Glück gehabt, 1999 mit Bayern München das Dietmar-Hopp-Stadion einzuweihen. Und Uli Hoeneß hat mir schon damals erklärt, dass sich viele Bundesligisten warm anziehen müssen, wenn der Verein ernst macht. Also habe ich den Club über all die Jahre aufmerksam verfolgt und war beeindruckt, was hier aufgebaut wurde. Deshalb habe ich auch nicht lange überlegt, ob ich das Angebot aus Hoffenheim annehmen soll.

Auch Trainerkollegen wie Thomas Tuchel kritisierten Sie dafür, dass Sie nur ein paar Wochen nach Ihrer Entlassung bei Hertha BSC schon wieder ein neues Engagement angenommen haben. Geht das so einfach: von einer Trainerbank zur nächsten zu springen.
Nach dem Ende meiner Zeit in Stuttgart hätte ich das nicht tun können – nicht nur wegen der Trainerlizenz, die ich machen musste. Das wäre vor allem emotional unmöglich gewesen, weil ich noch zu sehr am VfB hing. Bei der Hertha war es ganz anders. Da liefen am Ende Dinge ab, die nicht in Ordnung waren. Als Konsequenz daraus habe ich die Sache innerlich sehr schnell abgehakt.

Und zu Hoffenheim haben Sie schon eine emotionale Verbindung aufbauen können?
Absolut. Ich glaube, dass ich als Süddeutscher von der Mentalität her besser nach Hoffenheim passe als nach Berlin. Und ich bin überzeugt davon, dass ich hier einiges bewirken und dazu beitragen kann, dass der Weg weiter nach oben führt.

Seit längerer Zeit hat man aber das Gefühl, dass die Entwicklung des Vereins stagniert.
Man darf eines nicht vergessen: der Verein ist in einer Raketenhaftigkeit nach oben geschossen. Dass es nicht immer so weitergeht, war mir völlig klar. Wichtig ist jetzt zu erkennen, was zuletzt schiefgelaufen ist.

Was sind die Probleme?
Am Anfang ist der ganze Verein mit einem unglaublichen Enthusiasmus an die Arbeit gegangen. Da hat jeder nicht nur 100, sondern 120 Prozent gegeben. Dann ist alles allmählich zur Normalität geworden. Da ist man oft geneigt, ein paar Prozente weniger zu machen. Und wenn das jeder macht, wird es eben schwierig.




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