Interview mit Michael Knipper "Der Solarstrom ist eine völlig überschätzte Energie"

Michael Knipper zur Energiepolitik: „Alles dezentral, das ist grüne Träumerei.“ Foto: ddp
Michael Knipper zur Energiepolitik: „Alles dezentral, das ist grüne Träumerei.“ Foto: ddp

Die Bauindustrie verlangt Gesamtkonzepte für Energie und Verkehr. Vor Grün-Rot hat Geschäftsführer Michael Knipper keine Angst.

Wirtschaft: Michael Heller (mih)
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Stuttgart - Von der Gebäudesanierung bis zum Verkehr: Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, kann sich trotz mancher Kritik auch mit Ideen der Grünen anfreunden.

Herr Knipper, was kommt mit der grün-roten Landesregierung auf die Wirtschaft insgesamt und die Bauunternehmen zu?

Da gibt es Licht und Schatten. Beim Thema Flächenverbrauch sind wir zum Beispiel immer gesprächsbereit gewesen. Aber die Häuser aus den fünfziger und sechziger Jahren, die von der gesamten Bausubstanz her energetisch nicht sanierungsfähig sind, diese Häuser sollten aus ökonomischen und ökologischen Gründen abgerissen werden. Das ist unter dem Strich günstiger, führt zu keinem Flächenverbrauch. Es ist grüne Träumerei, alles erhalten zu wollen. Leider trägt die Partei die Bestandssanierung wie eine Monstranz vor sich her. Aber prinzipiell ist der Ansatz richtig, auf Sanierung zu setzen. Das wollen auch wir als Bauindustrie.

Hat die Politik aus Ihrer Sicht ein überzeugendes Energiekonzept für die Zeit nach der Kernkraft?

Nein. Die Brücke Atomtechnik wird deutlich kürzer sein, egal, ob wir nun 2020 oder 2021 aussteigen. Dann muss sich ein Land wie Baden-Württemberg auch zum Bau grundlastfähiger Gaskraftwerke und Kohlekraftwerke bekennen. Hinzu kommt, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) überarbeitet werden muss. Der Offshore-Wind aus dem Norden ist der günstigste Wind, weil bei Anlagen der neuesten Generation die gesicherte Leistung 15 bis 20 Prozent der installierten Leistung erreicht. Für unsere Unternehmen sind diese Windparks sehr wichtig. Von den geplanten 75 Milliarden Euro Investitionen in Offshore-Windparks entfallen 25 bis 30 Milliarden Euro auf die Gründungen, die unsere Betriebe machen. Der Solarstrom erreicht übrigens nur eine gesicherte Leistung von ein Prozent der installierten Leistung; der Solarstrom ist eine völlig überschätzte und überförderte Energie. Die Technologien müssen also neu bewertet werden, der gesamte Instrumentenkasten muss angepasst werden.

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