Interview mit Museums-Chefin „Wir sind der Kitt und die Basis“

Die Direktorin Cornelia Ewigleben Foto: Martin Stollberg
Die Direktorin Cornelia Ewigleben Foto: Martin Stollberg

Zwei Jahre hat die Grundsanierung des Landesmuseums gedauert: Am Freitag eröffnet das Museum in Stuttgart seine Schausammlung neu.

Kultur: Tim Schleider (schl)
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Stuttgart Nur noch ein Tag, dann Am Freitag eröffnet das Landesmuseum in Stuttgart nach zwei Jahren Grundsanierung seine Schausammlung neu. Die Direktorin nahm sich dennoch Zeit, um mit uns ganz in Ruhe über Kulturpolitik nachzudenken.
Frau Ewigleben, ein neues Schlagwort macht sich in der kulturpolitischen Debatte breit: der „Kulturinfarkt“. Haben Sie das dazugehörige Buch gelesen?
Ja, ich habe mir die Mühe gemacht.

„Immer mehr Ausgaben für die Kultur! Dabei haben wir schon von allem zu viel und überall das Gleiche“, so steht es auf dem Umschlag. Ziehen Sie sich den Schuh an?
Na ja, die Mittel der polemischen Zuspitzung sind ja offenbar bewusst gewählt, um für ein an sich eher sprödes Thema die größtmögliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn man es dann wirklich liest, erweist sich die Basis der Sachargumente häufig als dünn. Gemessen daran, dass die vier Autoren alle größtenteils mit Professorenposten in der Hochschullehre verankert sind, sogar als erstaunlich dünn. Und was die Museen in Deutschland angeht, werden zum Teil Forderungen gestellt, die wir schon seit Jahren aus eigenem Antrieb verfolgen und an vielen Orten erfolgreich umsetzen.

Die Hälfte der Museen in Deutschland könne man problemlos schließen, behaupten die Autoren. Deren Eröffnung hätte ohnehin nur der Eitelkeit einiger Politikergrößen gedient. Derweil eröffnen Sie, Frau Ewigleben, nach jahrelanger, millionenteurer Sanierung pünktlich zum Pfingstfest Ihre Schausammlung neu. Wie passt das zusammen?
Also immer schön der Reihe nach. Es stimmt, dass es in Deutschland einen Boom an Museumsneugründungen gab, aber das ist zwanzig bis dreißig Jahre her. Und es stimmt, dass an manchen Orten das Finanzierungskonzept so gerade eben bis zum Eröffnungstag reicht, sich aber niemand Gedanken gemacht hat, welche Mittel eigentlich nötig sind, um solch ein Haus auch seriös und publikumsnah zu betreiben. Deswegen fordern die Museumsverbände und -ämter schon seit längerer Zeit, dass unsere Häuser ein klares Profil und ein funktionierendes Betriebskonzept brauchen. Dann und deshalb kommen die weit über hundert Millionen Menschen zu uns, die im vergangenen Jahr ein Museum in Deutschland besucht haben, und zwar ohne jeden äußeren Zwang.

Dann forschen wir doch speziell einmal nach Ihrem Profil: Warum lohnen sich die Investitionen in Ihr Haus, was darf der Besucher in Ihrer Ausstellung erwarten?
Er darf ein Haus voller Geschichten erwarten. Wir sind das Landesmuseum Württemberg, die zentrale kulturhistorische Sammlung in der Landeshauptstadt. Wer uns besucht, bekommt die Kultur und Geschichte eines Landes und seiner Menschen erzählt. Die Reise fängt an vor über 200 000 Jahren und endet in unseren Tagen. Jedes Exponat erzählt etwas dazu. Und wer sich auf diese Reise begibt, der wird feststellen, dass auch Württemberg von Urbeginn an ein Land des Austauschs und des Kulturtransfers war. Schon die allerersten Bewohner hier hatten ihre Wurzeln in Afrika. Und heute leben bei uns Menschen mit Wurzeln in über 170 Ländern.




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