InterviewOpel-Chef Michael Lohscheller „Das erlaubt uns signifikante Investitionen“

Von Klaus Dieter Oehler 

Nach den Zugeständnissen der Arbeitnehmervertreter in Deutschland ist der Opel-Chef Michael Lohscheller nun zuversichtlich, die Ziele, die der framzösische PSA-Konzern vorgegeben hat, auch erreichen zu können.

Michael Lohscheller ist zuversichtlich, die Traditionsmarke Opel wieder in die schwarzen Zahlen bringen zu können. Foto: Opel AG
Michael Lohscheller ist zuversichtlich, die Traditionsmarke Opel wieder in die schwarzen Zahlen bringen zu können. Foto: Opel AG

Stuttgart - Durch den Abschluss mit den Arbeitnehmervertretern über den Abbau von 3700 Stellen in Deutschland und weitere Tarifzugeständnisse sieht Opel-Chef Michael Lohscheller nun die Wettbewerbsfähigkeit gesichert, wie er im Interview erläutert.

Herr Lohscheller, wie groß ist die Erleichterung, endlich auch mit den deutschen Arbeitnehmervertretern eine Lösung gefunden zu haben?
Das ist ein wichtiger Meilenstein. Wir hatten in allen anderen europäischen Ländern bereits ähnliche Vereinbarungen getroffen und es ist wichtig, dass wir nun auch in unserem Heimatmarkt Deutschland einen Weg gefunden haben, der es uns erlaubt, in die Standorte und in Zukunftstechnologie zu investieren. Dabei hilft es Opel, dass die Arbeitnehmer Zugeständnisse machen. Im Gegenzug haben wir eine Beschäftigungssicherung gegeben. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung unseres Zukunftsplans Pace.
Welche konkreten Vorteile bringt der Abschluss? Von den 3700 Stellen sind ja schon 3500 abgebaut, welcher Effekt bleibt dann noch?
Es ist ein großer Fortschritt, dass die Betriebsräte und Gewerkschaften den Abbau dieser 3700 Stellen über Freiwilligen-Programme nun auch unterstützen. Es geht immerhin um rund 20 Prozent der deutschen Belegschaft und da ist es hilfreich, wenn wir das gemeinsam voranbringen können. Wichtig ist auch, dass wir bei den tariflichen Erhöhungen Zugeständnisse der Mitarbeiter erreichen konnten, die uns auf der Kostenseite entlasten. Das erlaubt uns, signifikante Investitionen in die deutschen Werke vornehmen zu können. Wenn wir dann die neuen Fahrzeuge in den Werken anlaufen lassen, bekommen wir große Produktivitätsfortschritte und dann sind auch die deutschen Werke absolut wettbewerbsfähig.
Kann man den Einspareffekt auch beziffern?
Natürlich können wir das, aber wir haben entschieden, diese Zahl intern zu belassen.
Haben Sie durch die Verlängerung des Kündigungsschutzes bis 2023 das Problem nicht nur verschoben?
Nein. Wir haben mit dem Abbau der 3700 Stellen und den tariflichen Zugeständnissen die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert. Die verbleibende Mannschaft brauchen wir. Deshalb haben wir den Kündigungsschutz verlängert. Ich hatte schon im November betont, dass wir an den allen deutschen und europäischen Werken festhalten wollen und ich nun halten wir auch das ein.
Welchen Spielraum lässt Ihnen Paris für die Investitionen in die nach wie vor relativ teuren deutschen Werke?
Unser Mutterkonzern schaut natürlich auf die Zahlen, wie wir auch. Und da gibt es klare Vergleichsmöglichkeiten innerhalb Europas. Wir hatten große Lücken, etwa zu den französischen Werken, die schließen wir jetzt Schritt für Schritt und dadurch können wir die Investitionen freigeben. Die Konzernzentrale lässt uns dabei mehr Spielraum als dies unter dem alten Eigentümer General Motors der Fall war. Paris ist uns viel näher als es Detroit jemals war.
Wie geht es jetzt weiter? Opel hat zwar Fortschritte gemacht, ist aber noch längst nicht da, wo Konzernchef Tavares das Unternehmen sehen will. Welche Schritte nach vorn stehen als Nächstes an?
Wir haben klare Ziele. Wir wollen bis 2020 eine Umsatzrendite von zwei Prozent erreichen, bis 2026 dann sechs Prozent. Da sind wir auf dem richtigen Weg, haben die Voraussetzungen auf der Kostenseite geschaffen und sind auch bei der Qualität der Absätze, also der Profitabilität pro Fahrzeug, gut unterwegs. Aber ich würde mir natürlich wünschen, dass wir auch beim Marktanteil mehr Fortschritt machen würden. Hier hat es leider in einigen Ländern wie England Rückschläge gegeben, aber ich hoffe, dass es weiter nach vorn geht. Unsere neuen Modelle werden uns dabei helfen.
Welche?
Wir haben gerade den Insignia GSi in den Handel gebracht, später folgen der Combo und der Corsa GSi. Dieses Jahr haben wir erstmals unsere komplette SUV-Familie voll verfügbar: den Mokka X, Crossland X und Grandland X. Davon versprechen wir uns neue Impulse.
Bei der „Eheschließung“ mit PSA wurden nicht nur Synergieeffekte versprochen, sondern auch neue Absatzmärkte in Aussicht gestellt. Wie geht es dabei voran?
Wir haben im November in unserem Zukunftsplan Pace das Ziel klar formuliert: Opel wird profitabel, elektrisch und global. Für die internationale Ausrichtung haben wir jetzt Märkte untersucht, in den wir aktiv werden wollen. Wir haben neue Importeure in Märkten wie Südafrika, Marokko, Tunesien und im Libanon benannt, in einigen Märkten wollen wir auch Fahrzeuge bauen, wie zum Beispiel noch ab diesem Jahr in Namibia. Und das geht weiter. Wir schauen uns auch Russland und China an. Und wenn die Prüfung ergibt, dass wir in diesen Ländern Chancen haben, Geld zu verdienen, dann entscheiden wir das. Das geht Schritt für Schritt, aber Märkte wie Russland sind mir schon sehr nah.
Glauben Sie wirklich, dass Opel weltweit die etablierten Wettbewerber einholen kann? Fehlt dafür nicht die Präsenz in der Oberklasse? Und ist die Aufholjagd nicht viel zu teuer?
Unsere Mutter Groupe PSA ist ja schon in vielen Märkten vor Ort, nicht nur mit einer Vertriebsmannschaft, sondern auch mit Produktion oder Finanzdienstleistungen, etwa in China. Dadurch sind die Eintrittsbarrieren für Opel relativ gering. Und dann müssen wir sehen, welche Produkte passen. In China beispielsweise denke ich, dass man viel mit Elektroantrieben erreichen kann. Und wir werden bis 2024 eine komplett elektrifizierte Marke sein, sprich 100 Prozent unserer Modelle mit einem reinen Elektroantrieb oder einem Hybridmotor anbieten – zusätzlich zu Verbrennungsmotoren. Wenn wir wettbewerbsfähig sind, haben wir innerhalb des PSA-Konzerns als deutsche Marke global gute Chancen.
Welchen Grund sollte zum Beispiel ein chinesischer Autokäufer haben, sich für einen Opel zu entscheiden, wenn der baugleiche Peugeot viele Yuan billiger ist?
Die deutsche Marke spielt da sicher eine wichtige Rolle: deutsche Ingenieurskunst, Hightech für alle. Es sind natürlich auch nicht identische Autos, auch wenn sie auf einer gemeinsamen Plattform aufbauen. Das Design ist ein klares Differenzierungsmerkmal, der Innenraum, die Sitze, die Fahrwerksabstimmung, um nur einige Beispiele zu nennen. Damit gibt es für die deutsche Traditionsmarke Opel durchaus gute Chancen. Das ist kein Selbstläufer, sondern muss gut vorbereitet werden. Aber die Marke Opel hat sehr gute Zukunftsaussichten.