Interview mit Peter Boudgoust "Der SWR ist offen für Neuerungen"

Von Ulla Hanselmann 
Am 3. Oktober lassen Sie die SWR-Zuschauer mit Hilfe des Internets ihr Wunschprogramm zusammenstellen. Solche Projekte sind schön und gut, doch an der altbacken-betulichen Gesamtanmutung des SWR Fernsehens hat sich nichts geändert, obwohl Sie auch hier eine Verjüngungs- und Modernisierungskur angekündigt haben.

Das sehe ich anders. Es wird durchaus wahrgenommen, dass es der SWR ist, der so etwas wie "Alpha 0.7" wagt und mit der multimedialen Ausstrahlung von "Rock am Ring" bundesweit Aufsehen erregt. Das hat schon jetzt unser Image positiv verändert.

Und wie sieht dieses Image aus?

Der SWR ist offen für Neuerungen. Der SWR experimentiert und probiert aus. Wir fördern innovative Programme, auch schräge Ideen haben bei uns eine Chance. Im Übrigen erfolgt eine solche Programmveränderung nicht dadurch, dass man die Revolution probt. Das ist permanenter Feinschliff am Programm. Ich will nicht kurzfristige Knalleffekte erzeugen, sondern zu einem Klima der Innovation kommen.

Die neue SWR-Sendung "Leckere Landpartie", bei der Landfrauen um die Wette kochen, ist nicht wirklich jung und frisch!

Schauen Sie mal genauer hin. Da darf man sich nicht nur von persönlichen Sympathien oder Antipathien leiten lassen. Das Genre passt durchaus in ein Programm, das sich der Regionalität verschrieben hat. Tonalität und Bildsprache stimmen, und das durchaus jüngere Publikum goutiert's.

Auch Ihre Nachrichtensendungen wirken immer noch steif und ziemlich bieder.

Vielleicht verwechseln Sie bieder mit seriös. "Landesschau aktuell" braucht keine Effekthascherei. Da geht es um klassischen Journalismus, Fakten und Glaubwürdigkeit. Außerdem wollen wir in einem dritten Programm nicht dem Jugendwahn frönen, das wäre ein falscher Ehrgeiz. Hier zielen wir auf die Mitte der Gesellschaft. Das bedeutet aber nicht, dass wir im SWR Fernsehen nicht auch Experimente wagen müssen.

Dazu zählt auch das Format "Ausflug mit Kuttner". Seit der ersten Folge mit Lena Meyer-Landrut im Mai ist Frau Kuttner in der Versenkung verschwunden. Schade!

Die Sendung wird fortgesetzt. Zwei neue Folgen mit Til Schweiger und Mathias Schweighöfer werden momentan produziert und sind Ende September fertig.

Sie haben für das SWR Fernsehen einen Experimentierplatz angekündigt.

Wir haben in der Vergangenheit etwas zu wenig gewagt, das soll sich ändern. Dazu brauchen wir frische Ideen für ein zeitgemäßes Programm. Wir starten einen SWR-internen Ideenwettbewerb, der es uns ermöglicht, auf einen Schlag gleich mehrere neue Formate auszutesten. Eine Jury wird im Herbst über die Vorschläge entscheiden, dann werden wir einen Programmplatz bereitstellen.

Für wie gravierend halten Sie die Verwicklungen des SWR in die MDR-Affäre um den Unterhaltungschef Udo Foht?

Der SWR ist nicht in die MDR-Affäre um Herrn Foht verwickelt. Anscheinend hat Herr Foht Geld von einem Auftragnehmer, der Produktionsfirma Kimmig, genommen. Dem SWR ist aber hier nach jetzigem Wissen kein Schaden entstanden.