Interview mit Peter Ramsauer "Der Kopfbahnhof ist eine Scheinalternative"

 Für viele Kritiker wäre der Ausbau des Kopfbahnhofs trotzdem die bessere Alternative.

Das ist nur eine Scheinalternative. Es wären zig Jahre erneuter Planung nötig. Ein Stopp von Stuttgart 21 würde zudem zu hohen Schadenersatzforderungen führen. Es geht dabei zum Beispiel um Aufträge, die nicht wie zugesagt termingerecht erteilt und um Maßnahmen, die gestoppt wurden. Es könnten also Ausstiegskosten in Milliardenhöhe entstehen, die gezahlt werden müssten. Wo soll dann das Geld für eine tragfähige Alternative herkommen?

Ministerpräsident Kretschmann hat von seinem ersten Treffen mit Ihnen berichtet, er habe Sie als "harte Nuss" erlebt. Was hatten Sie für einen Eindruck von ihm?

Herr Kretschmann erweckte den Eindruck, dass er inzwischen erkannt hat, in welch tiefem Dilemma er steckt. Er befindet sich in der Zange zwischen den Pflichten, die er als Amtsnachfolger der bisherigen Landesregierung übernommen hat, und den Versprechungen, die seine Partei im Wahlkampf gemacht hat. So gerne ich diesem sympathischen Mann helfen würde - es gibt weder politischen noch rechtlichen Spielraum dafür.

Ist Ihnen bange vor der Volksabstimmung zu Stuttgart 21?

Nein. Ich habe meine Zweifel, ob es überhaupt dazu kommt. Einen konkreten Termin gibt es noch immer nicht. Ich habe das Gefühl, dass beide Koalitionspartner in Wirklichkeit nach Wegen suchen, eine Volksabstimmung zu vermeiden.