Interview mit Porsche-Fahrer Marc Lieb Wir haben es richtig krachen lassen

Marc Lieb (auf dem Auto links) und seine Teamkollegen jubeln aus gutem Grund. Foto: dpa
Marc Lieb (auf dem Auto links) und seine Teamkollegen jubeln aus gutem Grund. Foto: dpa

Der Porsche Werksfahrer Marc Lieb über die Feierlichkeiten und die Bedeutung seines sensationellen Gesamtsieges bei den 24 Stunden von Le Mans.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Le Mans/Ludwigsburg - Der Luwigsburger Porsche-Fahrer Marc Lieb hat sich am Sonntag einen Traum erfüllt. Der gebürtige Stuttgarter holte mit seinen Teamkollegen Romain Dumas und Neel Jani erstmals in seiner Karriere den Gesamtsieg bei den legendären 24 Stunden von Le Mans.

Herr Lieb, Sie und Ihre Partner Romain Dumas und Neel Jani dürften nach Ihrem Le-Mans-Sieg am Sonntagabend keinen Stein mehr auf dem anderen gelassen haben.
Die Porsche-Hospitality hat gebrannt danach. Wir haben es richtig krachen lassen. Wenn Sie so wollen, wurde das 24-Stunden-Rennen verlängert.
Möchten Sie auch darüber reden, wie lange die Party ging?
Es hätte sich eigentlich nicht mehr gelohnt, ins Bett zu gehen.
Als der auf Siegkurs fahrende Toyota etwa sieben Minuten vor Schluss stehenblieb, weinten Sie und wälzten sich in der Boxengasse mit Dumas vor Glück auf dem Boden herum.
Uns war in den letzten 45 Minuten des Rennens eigentlich schon klar, dass wir Zweiter werden, wenn nichts mehr passiert. Und wir waren auch schon zufrieden mit unserer Leistung. Dann sieht man, wie der Toyota stehenbleibt, und denkt sich: ,Das kann doch nicht wahr sein. Jetzt bleiben diese armen Socken da stehen.’ Im nächsten Moment haben wir aber realisiert, dass wir wohl gewinnen. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden finden da ganz unterschiedliche extreme Emotionen in einem statt. Und was Romain betrifft: der hat mich einfach nur herumgerissen und auf den Boden geworfen. Auch er konnte es nicht fassen.
Da haben Sie aber sehr viel Mitleid mit den Rivalen von Toyota gehabt.
Ja, man fühlt mit ihnen. Sie haben ja auch die gleiche Anstrengung wie wir hinter sich gehabt. Dann fährt man so ein starkes Rennen und bleibt wegen Antriebsproblemen kurz vor Schluss stehen. Das ist echt nicht normal.
Was bedeutet der Sieg für Sie?
Das ist der absolute Höhepunkt meiner Karriere. Als ich vor 16 Jahren zum Porsche-Junior-Team kam, hieß es: ,Wenn ihr euch gut anstellt, dann dürft ihr mal in Le Mans in einem richtigen Sportwagen um den Gesamtsieg mitfahren.’ Von da an war das immer ein Traum für mich. Dass das jetzt überhaupt noch geklappt hat, wo sich Porsche doch jahrelang im Werkssport zurückgehalten hatte, ist wirklich der absolute Oberhammer. Wahnsinn!
Sie sagten kurz nach Ihrem Erfolg, jetzt seien Sie nach Hans Herrmann der zweite Stuttgarter, der Gesamtsieger an der Sarthe wurde. Und was ist mit Joachim Winkelhock, der 1999 in einem BMW siegte?
Aber der Jockel ist doch gar nicht in Stuttgart geboren, sondern in Waiblingen. Doch wenn wir ihn noch mit reinnehmen, dann bin ich eben der erste Seiger seit Winkelhock. Sorry, ich habe ihn kurz vergessen.
Sie sind extrem mit Porsche verbandelt. Ihr Vater war dort, Sie haben ein Ingenieurs-Studium absolviert, auch um in dem Konzern einmal Autos zu entwickeln. Sie sind ein echtes Porsche-Kind.
Absolut. Ich habe der Firma meine ganze Karriere zu verdanken. Ich kam damals aus der Nachwuchsklasse Formel-Renault, ohne einen Cent in der Tasche. Zu dem Zeitpunkt war keine Rennfahrerkarriere für mich möglich. Ich war 19. Und ich war an einem Punkt, an dem ich mir sagte: ‚Okay, du hast alles probiert, aber weiter geht es nicht.’ Dann machte ich Zivildienst, und in dieser Zeit flatterte das Angebot des Porsche-Junior-Teams ins Haus. Das hat mein Leben verändert. Insofern habe ich zu Porsche eine spezielle Verbindung.
Die Sie am Sonntag in Le Mans gekrönt haben.
Es war wie im Märchen. Als Stuttgarter im Porsche das Rennen in Le Mans zu gewinnen – davon habe ich immer geträumt. Das klingt zwar alles teilweise ein bisschen kitschig, es ist aber so. Und es ist, auch einen Tag später noch, ziemlich unreal für mich. Ich glaube es noch gar nicht.
Sehen wir Sie auch 2017 im Rennwagen?
Jetzt steht noch die restliche WEC-Saison an, die wir natürlich auch gewinnen wollen. Und dann sehen wir nach der Saison weiter.
Zuvor wird jetzt aber noch in Ludwigsburg gefeiert.
Klar. Ich werde daheim mit meiner Frau noch ein schönes Fläschchen öffnen.

Unsere Empfehlung für Sie