ExklusivInterview mit Porsche-Projektleiter Nach drei Jahren der erste Erfolg

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Hat es lange gedauert, bis sie als LMP1-Teamchef die Leute danach wieder aufgerichtet haben?
Einige Mitarbeiter sind danach in den Urlaub gegangen, damit sie sich mal richtig ausschlafen können. Wir haben uns dann vorgenommen, in der verbleibenden Saison noch ein Rennen zu gewinnen. Das war sicher mutig. Sehr mutig sogar.
Aber es hat funktioniert.
Ja. Dass es bei der letzten Gelegenheit in Brasilien geklappt hat, war wunderbar. Wir waren in allen drei Trainingseinheiten die Schnellsten, standen mit zwei Autos in der ersten Startreihe und haben dann das Rennen auch noch unter dramatischen Umständen gewonnen – unglaublich. Wir haben mit dem Projekt ja erst vor drei Jahren begonnen, damals noch mit ein paar Leuten und einem weißen Blatt Papier. Inzwischen sind es 230 Mitarbeiter verschiedenster Nationalitäten. Dass daraus nach so kurzer Zeit ein schlagkräftiges Team entstanden ist, macht mich stolz.
Ihnen ist nach dem Sieg in São Paulo sicher auch selbst eine Zentnerlast von den Schultern gefallen?
Das waren sehr intensive drei Jahre. Das Problem war, dass alles parallel lief. Wir haben bei Porsche eine neue Infrastruktur entwickelt. Wir hatten etliche Baubesprechungen und mussten nebenher noch Mitarbeiter akquirieren. Dazu kamen die Diskussionen um das Reglement. Dann müssen Sie das Auto designen, es bauen und auf die Teststrecke bringen. Das alles lief zeitgleich ab. Als ich dann in São Paulo da oben auf dem Podest stand, lief es mir vor Glück richtig den Rücken runter.
Mit den dramatischen Umständen während des Brasilien-Rennens spielen Sie auf Mark Webbers schweren Unfall an?
Ja, wir hofften im ersten Moment ja ständig, dass Mark nichts passiert ist. Eine erste Entwarnung gab es dann schnell von den Ärzten.
Wie geht es ihm?
Gott sei Dank geht es ihm gut. Noch am Abend des Unfalls haben wir mit ihm telefoniert und ihn am nächsten Tag im Krankenhaus besucht. Noch einen Tag später sind wir dann schon wieder mit ihm zusammengesessen. Klar, es tut ihm hier und da noch etwas weh, aber von größeren Verletzungen blieb er verschont. Er wird am Samstag bei der Nacht der Champions in Weissach dabei sein – darüber freue ich mich sehr.
Fährt Mark Webber, Sebastian Vettels ehemaliger Teamkollege in der Formel 1, auch 2015 wieder mit?
Ja. Unsere sechs Fahrer dieser Saison besetzten die beiden Autos auch 2015. In Spa und Le Mans wollen wir aber auch einen dritten Rennwagen einsetzen. Bisher steht da nur Nico Hülkenberg als Fahrer fest. Seine beiden Kollegen werden bei Testfahrten noch ermittelt.