Mit einem eigenartigen, äußerst tanzbaren Mix aus Hip-Hop, Punk und Elektro macht die Allgäuer Band Rainer von Vielen zum Tanz in den Mai Station in den Stuttgarter Wagenhallen. Ein Autobahninterview mit dem Bandleader.

 Stuttgart - Mit einem eigenartigen, äußerst tanzbaren Mix aus Hip-Hop, Punk und Elektro macht die Allgäuer Band Rainer von Vielen zum Tanz in den Mai Station in den Stuttgarter Wagenhallen. Ein Autobahninterview mit Bandleader Rainer von Vielen über Touren, Stuttgart und Politik in der Musik.

Ich habe das Gefühl, dass ihr ständig auf Tour seid, auch während des Interviews jetzt sitzt ihr wieder im Tourbus. Könnte man sagen, dass ihr eine reine Live-Band seid, die zwischendurch mal hier und da ein Album macht?

Songs schreiben, die wir live aufführen und aus denen wir Alben machen – das sind die zwei Komponenten, die einen Musiker ausmachen. Aber natürlich stehen wir unheimlich gern auf der Bühne, weil es das ist, was die Kommunikation in der Musik ausmacht. In einem Raum zu sein mit den Leuten und eine gemeinsame Stimmung zu erzeugen.

Wo wir gerade dabei sind: Euer aktuelles Album „Live den Lebenden“ ist ein Live-Album. Wie gut lässt sich die Live-Stimmung auf Platte übertragen?

Es kann nie ein hundertprozentiges Abbild von dem sein, was man live macht, weil ein Konzert eben noch aus anderen Komponenten als Musik besteht: der Interaktion mit dem Publikum, die Stimmung, die speziell an dem Tag und dem Ort vorherrscht. Das lässt sich nicht auf eine Scheibe bannen. Über die Jahre haben aber immer wieder Leute gesagt, dass sie die Songs gerne so hören wollen, wie wir sie live performen. Deshalb jetzt das Album.

"Wir haben eine intensive Beziehung zu der Stadt"

Du hast in der Region studiert. Hast du noch eine besondere Beziehung zu Stuttgart?

Ich habe in Ludwigsburg Drehbuch studiert, während des Studiums habe ich zwei Jahre in Stuttgart gewohnt. Hier haben wir unser erstes Konzert gespielt. Und unser Bassist Dan Le Tard wohnt immer noch in Stuttgart. Von daher haben wir schon eine intensive Beziehung zu der Stadt.

Euer jährliches Stuttgart-Konzert spielt ihr immer in den Wagenhallen, deren Betreiber momentan wieder um die Verlängerung ihres Vertrags mit der Stadt bangen. Hast du ein besonderes Verhältnis zu dem Ort?

Diese ganze Szene, die sich da entwickelt hat, auch mit den Waggons am Nordbahnhof, ist eine Gemeinschaft aus vielen Idealisten mit künstlerischem Anspruch, die da zusammen was aufziehen. Sie haben sich einen Raum geschaffen, in dem vieles möglich ist. Ein Platz, den Stuttgart dringend nötig hat. Es ist für eine Stadt sehr wertvoll, wenn sie so etwas bieten kann. Auch wenn mancher Stadtplaner auf den ersten Blick denkt, dass das weg kann. Solche Orte machen für mich den Charme einer Stadt aus.

Deine Texte sind oft kritisch, beispielsweise gegenüber der kapitalistischen Gesellschaft. Wie groß kann der Einfluss einer Band auf die Politik sein?

Wenn man als Musiker Dinge oder Gefühle anspricht, die viele Menschen teilen, dann entwickelt sich ein Gemeinschaftsgefühl, die Leute identifizieren sich mit dem Inhalt. Darin liegt die Stärke der Musik. Das kann dann auch durchaus eine politische Meinung sein, muss es aber nicht. Trotzdem kann ein kritischer Blick auf die Welt nicht schaden. Wenn man eine Meinung gefunden hat, ist es durchaus okay, diese auch zu äußern.

Was erwartet uns am Dienstag bei eurem Tanz in den Mai, gibt's neue Songs?

Wir kommen gerade aus Hannover, wo wir ein Stück am Staatstheater aufgeführt haben. Im Rahmen dieses Stücks haben wir ganz viele neue Stücke geschrieben. Außerdem gibt’s noch weitere neue Songs, weil wir gerade unser neues Studioalbum eingespielt haben. Es gibt also ein komplett neues Programm – was natürlich nicht heißt, dass wir nicht auch unsere alten Hits wie "Tanz deine Revolution" spielen werden.