Interview mit Regisseur Alexander Payne Eine alte Geschichte an ganz neuem Ort

Von Axel Bussmer 

Alexander Payne, Regisseur von „The Descendants“, schreibt seine Drehbücher selbst. Im Interview verrät er, wie man einen Schauspieler wie George Clooney ködert.

Regisseur Alexander Payne drehte „The Descendants“. Foto: ANSA
Regisseur Alexander Payne drehte „The Descendants“. Foto: ANSA

Berlin - Im Lauf der Jahre wurde der Regisseur Alexander Payne immer wieder für Oscars nominiert, 2005 errang er mit ­„Sideways“ einen für das beste Drehbuch. Sein jüngstes Werk, „The Descendants“ , ist in fünf Kategorien nominiert, unter anderem als bester Film, für die beste Regie und das beste Drehbuch. Noch bevor Payne von seinem Glück erfuhr, hat er in Berlin mit uns über seinen ersten Filmausflug nach Hawaii gesprochen.


Herr Payne, wie kommt man eigentlich an George Clooney als Hauptdarsteller?
Das ist einfach: es kommt ganz auf das Drehbuch an. Ich denke, es gibt gerade nur wenige gute Drehbücher. Ich bemühe mich als Autor oder Koautor um Skripts mit gehaltvollen Rollen, die den Schauspielern, die mich interessieren, auch etwas bieten.

Im Gegensatz zu Ihren früheren Literaturverfilmungen haben Sie bei „The Descendants“ eng mit der Autorin der Vorlage, Kaui Hart Hemmings, zusammengearbeitet. Wie wirkte sich das auf Ihre Arbeit aus?
Zunächst mal sind „Sideways“ und „Election“ zwei ziemlich werkgetreue Adaptionen, „About Schmidt“ ist etwas ganz anderes. Ich schrieb sie, ohne den Autor Louis Begley zu fragen, zusammen mit Jim Taylor. Aber die Geschichte von „The Descendants“ liegt weitab von meinen eigenen Erfahrungen. Ich bin ein Junge aus Nebraska. Ich weiß nichts über diese reichen Leute auf Hawaii. Also brauchte ich wirklich die Hilfe der Buchautorin.

Worin bestand diese Hilfe?
Ich schrieb zum ersten Mal eine Drehbuchfassung mit dem geöffneten Roman auf meinem Schreibtisch. Nach dieser Arbeit bat ich die Autorin um Rat. Sogar bei den Dialogen hakte ich nach, ob die Hawaiianer das so sagen würden. Außerdem brauchte ich Kaui Hart Hemmings als Türöffnerin. Sie stellte mich diesen Leuten vor, führte mich in ihre Clubs und Häuser. Sie zeigte mir, über was sie geschrieben hatte, so dass ich ein echtes Gefühl für Hawaii bekam.

Kam es so auch zum Fokus auf das alltäg­liche Hawaii?
Der Film beginnt mit dem Satz: „Meine Freunde denken, nur weil ich auf Hawaii wohne, lebe ich im Paradies. Sind die verrückt? Unsere Familien sind genauso kaputt. Unser Liebeskummer tut genauso weh.“ Aber dieser Gegensatz interessierte mich nicht wirklich. Dass auch die Leute an einem der schönsten Plätze der Welt ganz normale Leben führen, ist doch keine tiefschürfende Erkenntnis. Das ahnt doch jeder. Etwas anderes hat mich viel mehr interessiert. Ich hatte Hawaii noch nie als Schauplatz einer Gesellschaftskomödie gesehen. Das hat mich dann an „The Descendants“ sehr gereizt: eine alte Geschichte an einem ganz neuen Ort zu erzählen.

Sie wollen in Ihren Szenen diesmal immer mehrere Dinge auf einmal erzählen, richtig?
So sollte ein Film doch sein. Sie haben diese Umschlagmomente, wenn eine in erster Linie düstere, dramatische Geschichte von einem Komödienregisseur wie mir erzählt wird. Ich ergreife jede Gelegenheit zu einem Witz, subtilen Witzen, optischen Witzen. Wie eine Figur läuft, wie sie gegen eine andere kämpft. Der Einsatz von Musik kann komisch sein. Wenn jemand das eine denkt und das andere sagt. Die normale Absurdität, die es in allen Situationen, auch in den schlimmsten, gibt – die suche ich.
Das Gespräch führte Axel Bussmer.