Interview mit Richy Müller Tatort-Kommissar: „Das kann richtig weh tun“

Vorsicht   und  Rücksicht         sind       geboten,     wenn   die  Radler  so  dicht  beieinander  unterwegs  sind. Foto: Andreas Gorr
Vorsicht und Rücksicht sind geboten, wenn die Radler so dicht beieinander unterwegs sind. Foto: Andreas Gorr

Richy Müller nimmt bei sich zu Hause am Chiemsee bei einer Triathlon-Staffel als Schwimmer teil. Ebenfalls am Start: Die Triathletin Ricarda Lisk.

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Radsport - Richy Müller (63) gehört zu den populärsten deutschen Schauspielern. Im Stuttgarter „Tatort“ jagt er  als Hauptkommissar Thorsten Lannert ­böse Buben – am 3. Oktober steigt er in ­Ditzingen-Heimerdingen beim Charity ­Bike Cup für den guten Zweck aufs Rad. Ein ­Gespräch über Popularität, Ehrungen und eine Turnkarriere wider Willen.

Richy Müller, herzlichen Glückwunsch.

Sehr nett, vielen Dank. Aber zu was genau?

Ihr Team beim Charity Bike Cup war in nur drei Tagen ausgebucht.

Das freut mich. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das zu einem nicht geringen Teil an meinem Mit-Kapitän Jonas Reckermann liegt. Er ist immerhin Olympiasieger. Da kann ich nicht mithalten.

Vom Bekanntheitsgrad her müssen Sie sich sicher nicht verstecken. Wie kommt es denn, dass Sie Ihre Premiere bei der Veranstaltung feiern?

Ich habe im Sommer bei uns zu Hause am Chiemsee bei einer Triathlon-Staffel als Schwimmer teilgenommen, da war auch die Triathletin Ricarda Lisk als Radlerin dabei. Sie hat mir vom Charity Bike Cup ­erzählt und gefragt, ob ich nicht mal Lust hätte, mitzumachen. Kurzerhand habe ich mich mit Organisator Heinz Betz in Ver­bindung gesetzt. Zum Glück habe ich an diesem Tag drehfrei und kann was Gutes für Kinder tun. Das ist doch super.

Sie engagieren sich regelmäßig für die gute Sache. Unter anderem sind Sie Botschafter von ARCHE IntensivKinder – einer Einrichtung für dauerbeatmete Kinder.

Ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt. Es freut mich, wenn ich mit meiner Popularität ein bisschen helfen kann.

Für Ihr soziales Engagement wurden Sie mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Das ist eine ganz besondere Ehre und macht mich stolz. Nie hätte ich an so etwas gedacht. Aber wissen Sie, was an dieser Auszeichnung genauso wichtig ist? Es ist die Wahrnehmung. So weiß man, dass man die Menschen erreicht.

Nun steigen Sie für die gute Sache aufs Rad.

Ich bin ja eigentlich eher so der Genuss­fahrer. Zu Hause radle ich mit meiner Frau gerne mal ohne Druck, aber sportlich um den Chiemsee.

Dann passt es ja ganz gut, dass die Lila Tour, an der Sie mittags teilnehmen, eher für den entspannten Hobby-Radler gedacht ist.

Das stimmt. Mir wurde versichert, dass es da etwas ruhiger zugeht… Aber so ganz kann ich aus meiner Haut nicht raus. Ich will da schon eine gute ­Figur abgeben, nicht nur hinterhertuckern und vom Besenwagen aufgesammelt werden.

Welchen Bezug haben Sie zum Radsport?

Eines meiner Kindheits-Idole war ­Rudi Altig, der 1966 Straßen-Weltmeister wurde. Er kommt aus der selben Ecke wie ich, wir wurden beide in Mannheim geboren. Und das Rad war früher für uns Jungs die Gelegenheit, um mobil zu sein. Auch wenn meine ersten Versuche sehr wag­halsig waren.

Inwiefern?

Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, wir hatten nicht viel Geld. Deshalb musste ich immer das Rad meines Vaters nehmen. Das war so groß, dass ich nicht darauf sitzen konnte und somit unter der Querstange hing. Das war schon akrobatisch und eine gute Vorbereitung für die Turnerei sowie das dafür nötige Balancegefühl.

Sie waren ein ganz passabler Turner.

Wider Willen.

Wieso denn das?

Anfang der 60er Jahre wurde „Jugend trainiert für Olympia“ an den Schulen eingeführt. Ich konnte ganz gut turnen. Da hieß es: Du machst das jetzt, ich wurde gar nicht groß gefragt. Da war die Autoritätshörigkeit noch hoch. Richtig motiviert war ich nicht wirklich. Als ich dann mit 16 eine Lehre angefangen habe, haute es zeitlich mit dem Trainieren nicht mehr hin. Da habe ich schon eine gewisse Erleichterung verspürt. Heute sage ich allerdings: Es hat mir nicht geschadet. Ich profitiere sogar davon.

Von was genau?

Als Turner muss man sehr diszipliniert sein und auf seinen Körper achten. Und ohne Präzision und Konzentration geht gar nichts. Wenn man bei einer Übung nur für einen Moment unkonzentriert ist, kann es richtig weh tun. Ich weiß, wovon ich rede. (Lacht.)

Das hilft Ihnen auch im Job?

Das hilft in vielen Situationen. Egal, ob ich eine Lesung halte oder im Cockpit eines Rennwagens sitze, was ich immer mal wieder mache: Ich darf mich nicht ablenken lassen und muss auf den Punkt genau da sein. Das ist etwas, was mich der Sport schon früh gelehrt hat.

Als Tatort-Kommissar spielen Sie heute in der Champions League.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so ein Angebot bekommen würde. Ich habe mit der Zusage keine Sekunde gezögert.

Läuft man bei so einer exponierten Rolle ­Ge­fahr, nur noch darauf reduziert zu werden.

Das ist mir eigentlich egal. Ich bin 63 Jahre alt und habe vor dem Tatort 30 Jahre lang ganz viele andere Rollen gespielt. Ich habe eine lange Geschichte, die davon nicht ­berührt ist. Auch jetzt spiele ich immer wieder in anderen Produktionen mit. Ich habe also sicher keinen Grund zur Klage.

Als Tatort-Kommissar gehört man schon fast zum deutschen Allgemeingut. Wie ist es denn, wenn man ständig erkannt und an­gesprochen wird. Nervt das nicht auch mal?

Das gehört dazu. Und ich würde es auch sehr seltsam finden, mich über so etwas zu beschweren. Im Gegenteil.

Im Gegenteil?

Es ist doch schön, wenn man den Menschen mit einem freundlichen Wort oder einem Foto ein Lächeln auf die Lippen ­zaubern kann. Es kommt auch schon mal vor, dass ich merke, dass sich jemand nicht traut, mich anzusprechen. Dann kann es sein, dass ich hingehe und frage: Wollten wir nicht noch ein Foto machen? (Lacht.)

Sie nehmen sich selbst nicht so wichtig?

Warum auch? Ich bin doch nichts Besonderes, nur weil ich zweimal im Jahr im Tatort zu sehen bin.




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