ExklusivInterview mit Ritter-Sport-Chef Ronken 2017 wird die erste Ernte eingefahren

Wirtschaft: Thomas Thieme (tht)
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Wie weit sind Sie mit der Aufforstung auf ihrer eigenen Plantage?
Wir haben bereits 480 Hektar Land bepflanzt, weitere 1000 Hektar sollen noch folgen. Dort sollen einmal 1,5 Millionen Kakaobäume stehen. Die Pflanzen, hochwertiger Trinitario-Kakao, ziehen wir selbst in großen Baumschulen. Sie ergeben aus unserer Sicht einen richtig gut schmeckenden Kakao. Die Aufzucht ist sozusagen der Flaschenhals des gesamten Projekts.
Das hört sich jetzt relativ einfach an.
Ist es nicht. El Cacao wird einmal die größte Kakaoplantage der Welt. Doch davor steht für uns noch eine Menge Pionierarbeit. Wir haben schon vierzig Kilometer Straßen gebaut; keine asphaltierten, sondern eher mit Steinen befestigte Wege. Ohne sie wäre das Gebiet in der Regenzeit gar nicht passierbar. Wir mussten auch mehrere Brücken bauen, weil zwei größere Flüsse durch unsere Plantage fließen. Wir haben uns bewusst für dieses feuchte Gebiet entschieden, weil wir dort keine Bewässerungsanlagen brauchen. Dafür haben wir bereits fünfzig Kilometer Entwässerungskanäle gelegt, um größeren Überschwemmungen vorzubeugen. Die Plantage ist weit entfernt von funktionierender Infrastruktur, deswegen holen wir das Material für die Brücken und Straßen aus unserem eigenen Steinbruch.
Wieso musste es denn gleich die größte Plantage der Welt sein?
Das heißt ja nicht, dass wir damit auch zum größten Kakaoproduzenten werden – nicht annähernd. Es ist nur so, dass Kakaoplantagen generell eher klein sind, im Schnitt vielleicht zwei bis drei Hektar. Das ist nichts im Vergleich mit großen Soja- oder Bananenplantagen, die mehr als hunderttausend Hektar groß sind. Für uns ist aber schon die Dimension einer bewirtschafteten Fläche von 1500 Hektar, die wir benötigen, um auf eine signifikante Menge unseres Bedarfs zu kommen, eine große Herausforderung. Wir müssen auf der Plantage GPS benutzen, um uns zu orientieren.
Gibt es auch Rückschläge?
Natürlich gibt es die, alles andere wäre eine Überraschung. Vieles, was wir dort tun, tun wir zum ersten Mal. Wir haben gute Leute vor Ort, derzeit rund 300 Mitarbeiter, von deren Erfahrung wir profitieren. Dennoch funktioniert nicht alles sofort und wir lernen täglich dazu. Als die Entwässerungskanäle anfangs falsch ausgerichtet waren, sind uns auf fünf Hektar Fläche die Pflanzen ertrunken. Wenn es doch mal etwas trockener ist, wie gerade, sind schnell ein paar Hektar verloren. Wir gehen mit einer gewissen Demut da ran.
Wann fahren Sie die erste Ernte ein?
Das wird 2017 sein. Im Zeitraum zwischen 2022 und 2024 wollen wir zum Vollertrag kommen, das wären zwischen 3000 und 4000 Tonnen Rohkakao, woraus sich circa ein Drittel der von uns benötigten Kakaomasse herstellen lässt.
Was verdienen ihre Mitarbeiter dort?
Wir bezahlen Ihnen bereits für die einfachsten Tätigkeiten rund 20 Prozent über dem dortigen Mindestlohn, wobei ein Gutteil der Mitarbeiter vergleichsweise rasch aufsteigen und qualifiziertere Tätigkeiten verrichten kann, was mit spürbaren Lohnanstiegen einhergeht. Dazu gewährleisten wir beispielsweise medizinische Versorgung, geben Sonderurlaub für Fortbildung und schließen Familienmitglieder versicherungstechnisch ein.

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