Interview mit Robert Pattinson „Ich will zum Nichts werden“

Von Axel Bußmer 

Als Vampir Edward in den „Twilight“-Filmen ist der Brite Robert Pattinson ein Besuchermagnet und Teenieschwarm. Nicht umsonst hat David Cronenberg ihn für seinen neuen Film „Cosmopolis“ angeheuert.

Robert Pattinson in der Don DeLillo-Verfilmung Foto: Falcom Media
Robert Pattinson in der Don DeLillo-Verfilmung Foto: Falcom Media
New York Glutvolle Leidenschaft und lockende Kühle waren bisher Robert Pattinsons Spezialitäten. In „Cosmopolis“, der Verfilmung eines Romans von Don DeLillo, wechselt er ins Gefrierfach undurchschaubarer Finanzmanager.
Herr Pattinson, wie fühlten Sie sich, als ­David Cronenberg Sie anrief?
Er ist einer der größten Regisseure der Welt. Ich war verblüfft, vor allem über dieses schwierige Drehbuch. Ich bin in jeder Szene. Es gibt viel Dialog. Es ist sehr subtil.

Fast der ganze Film „Cosmopolis“ spielt im Inneren einer Limousine. War das eine einzige Platzangsterfahrung?
Man konnte zwar einzelne Teile des Autos entfernen, aber das Set hatte tatsächlich nur die Größe einer Limousine. Die Kamera befand sich auf einem Kran, und im Auto waren nur sie und ich. Unter solchen Umständen entwickelst du eine vollkommen andere Beziehung zur Kamera. Du bist dir bewusster, dass sie da ist, und zugleich weniger bewusst. Es stand ja kein Mensch hinter ihr. Das war wirklich seltsam.

Haben Sie sich denn wenigstens in der Haut Ihrer Figur wohlgefühlt?
Ich mag diesen Eric Packer. Viele Leute halten ihn für ziemlich teilnahmslos. Aber das ist wahrscheinlich mein Fehler. Ich wollte ihn nicht zu sehr vermenschlichen. Darum wirkt er nun auf manche wie ein Typ, dem alles egal ist. Ich sehe ihn anders.

Ist das ein Erbe Ihrer Vampirrolle, das Verständnis für den hochmütigen Außenseiter?
Eric ist kein Vampir. Er ist nur ein Egomane, der glaubt, die einzige Person auf der Welt zu sein. Eigentlich möchte er Gott sein. Aber nicht einmal auf gierige Weise. Er glaubt nur, er mache die Welt zu einem besseren Ort. Was niemand außer ihm glaubt, aber das kümmert ihn nicht.

Sagten Sie nicht eben noch, Sie fänden diesen Kerl sympathisch?
Ich denke, er ist ziemlich witzig. Ich mag, dass dieser Mann Leute nicht herabsetzt, wenn er mit ihnen redet. Er will sie auf sein Level bringen. Er will, dass sie sich mit ihm messen. Er gibt ihnen viele Chancen, und er wird regelmäßig enttäuscht, weil sie nicht genug bringen. Wenn ihn dann mal jemand verblüfft, ist es für ihn wirklich ein großes Ding. Er ist hungrig nach Wissen. Aber ­dieser Mann ist fraglos ein absolut seltsamer Vogel.

Hatten Sie ihn schnell im Griff?
Ich musste andere Techniken als bisher benutzen. Vor dem ersten Drehtag erklärte ich allen: „Ich will zum Nichts werden.“ Der Anzug sollte nichts sagen. Die Brille sollte nichts sagen. Alles sollte nichts sagen. Und dann saß ich da, und nichts an mir sagte etwas über meinen Charakter aus. Bis dahin hatte ich kaum je etwas so Erschreckendes gemacht. Mein Gesicht bewegte sich nicht. Meine Augen waren hinter einer Sonnenbrille verborgen. Das war eine seltsame, nervenaufreibende Erfahrung.

Trotzdem haben wieder 15-jährige Mädchen vor den Premierenkinos übernachtet. Werden die nicht enttäuscht sein?
Täuschen Sie sich nicht. Viele „Twilight“-Fans wollen nicht nur mich sehen, sie wollen den Film verstehen. Ich habe mit Sechzehnjährigen gesprochen, die haben Don DeLillos Buchvorlage gelesen und sich David Cronenbergs andere Filme angeschaut. Selbst wenn hundert Leute sagen, ich kapier das nicht, wird es einen geben, die es wirklich versteht. Es ist inspirierend, wenn du plötzlich mit postmoderner Literatur in Kontakt gerätst.