Interview mit Samy Deluxe "Ich will den Kids helfen"

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In einem Workshop in Stuttgart will Samy Deluxe Jugendliche zusammenbringen. Ein Gespräch über Engagement, Crossover und Begegnungen mit der Polizei.

Lokales: Inge Jacobs (ja)
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Stuttgart - Er ist Deutscher mit dunkler Hautfarbe: Der Hip-Hop-Star Samy Deluxe », 33, bringt bei einem Schulprojekt eigene Erfahrungen ein. Er selbst hat Schule und Zivildienst abgebrochen und als Autodidakt Karriere gemacht.

Samy, Sie sind ein erfolgreicher Rapper. Wieso machen Sie Workshops für Schüler?


Ich habe vor mehreren Jahren angefangen, karitative Sachen zu machen. Oft für Stiftungen oder Vereine, wo man sein Gesicht und seinen Namen hergibt, um deren gute Projekte zu unterstützen. Allerdings ist mir dabei oft aufgefallen, dass die Ansätze gut gemeint sind, aber in Sachen Jugendarbeit wenig gut gemacht ist.

Was war für Sie der Kick? Weshalb tun Sie so etwas für die Jugendlichen?


Ich schätze mal, weil ich selber so aufgewachsen bin, dass ich das Gefühl hatte, niemand tut etwas für mich. Es kam nie jemand zu uns in die Schule und hat uns Perspektiven mitgegeben. Da waren nur die Lehrer. Aber es ist wichtig für die junge Generation, ihr mal Denkanstöße zu geben und Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Und deshalb habe ich mit Julia von Dohnanyi, einer Freundin von mir, in Hamburg einen eigenen Verein gegründet: Crossover. Das Prinzip bei den Workshops ist, dass man dabei Schulen aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammenbringt.

Was wollen Sie damit erreichen?


In erster Linie will ich vermitteln, dass zwischen Leuten - auch wenn sie aus verschiedenen Vierteln oder sozialen Schichten kommen - eine Gemeinsamkeit wichtig ist. Also dass man über den Tellerrand rausschauen sollte und keine Angst hat, mit Leuten zu kommunizieren oder zusammenzuarbeiten, die einen anderen Hintergrund haben. Gerade in den großen Städten ist alles so enklavenmäßig, die Leute kommen nicht mehr aus ihren eigenen Vierteln raus, und später haben sie in ihrem Leben Probleme, weil sie immer nur mit Leuten von ihrem eigenen Schlag umgeben waren. Aber auf einmal müssen sie klarkommen in dieser Welt, wo man eigentlich am weitesten kommt, wenn man relativ unvoreingenommen mit vielen Situationen und Menschen zurechtkommt.

Welche Schüler wollen Sie in diesem Workshop insbesondere ansprechen?


Wir haben den Verein extra deshalb gegründet, damit das Crossover von beiden Seiten stattfindet. Wir wollen eben nicht nur in die Brennpunktviertel gehen und den Leuten dort helfen. Sondern wir wollen der Gesellschaft helfen, zusammenzuwachsen: Deutschen und Ausländern, Reichen und Armen - oftmals gehen die Trennungen Hand in Hand. In den Hauptschulen findest du wenig deutsche Kids, in den Gymnasien wenig Migranten. Unser Ziel ist, die zusammenzubringen. Es geht uns nicht darum, zu sagen, ihr seid die Guten und ihr seid die Schlechten. Sondern wir wollen die Leute zusammenbringen. Im Idealfall entstehen neue Kontakte oder Freundschaften daraus.

Welche Voraussetzungen sollen die Schüler mitbringen?


In erster Linie sollen sie Lust haben, von uns belagert zu werden. Wir kommen mit einem Tourbus voller Trainer und haben alles im Angebot: von Rap-Workshops, DJ-Workshops, Breakdance, Streetdance, Sachen mit Basketball und Sprühen. Sie sollen nicht nur Lust haben, einmal Samy Deluxe kennenzulernen und auf den Trubelfaktor, sondern darauf, drei Tage intensiv zu arbeiten und dass man am Ende für Eltern, Freunde, Bekannte eine schöne Show auf die Beine stellt.

Müssen die Schüler schon tanzen können?


Nein, so könnten wir da gar nicht rangehen. Sie sollen Lust auf unsere Workshops haben und darauf, dass sie mit einer anderen Klasse, einer anderen Schule zusammengeworfen werden und Erfahrungen in einem neuen Rahmen machen.

Was verbinden Sie mit Stuttgart?


In erster Linie viel Polizei. Als ich das erste Mal hier war, als 18-Jähriger, haben Polizisten meine Freunde und mich auf der Königstraße angehalten. Die wollten unsere Ausweise sehen. Als wir gefragt haben, warum, haben die gesagt, es sei eine routinemäßige Personenkontrolle. Als ich gesagt habe, das hat doch nichts mit meiner Hautfarbe zu tun, haben die geantwortet: ,Nee, überhaupt nicht. Aber es könnte ja sein, dass Sie ein illegaler Einwanderer sind.' Das ist meine erste Stuttgart-Erinnerung. Ansonsten habe ich viele schöne Auftritte gehabt und viele Freunde im Hip-Hop-Bereich. Ich finde die Stadt schön - zum Weggehen, Einkaufen und Feiern.




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