InterviewInterview mit Sozialministerin Altpeter „Klinikkonzerne denken an die Rendite“

Katrin Altpeter ist eine Gegnerin von Klinikprivatisierungen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Katrin Altpeter ist eine Gegnerin von Klinikprivatisierungen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Exklusiv Die Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) positioniert sich als scharfe Gegnerin von Klinikkonzernen wie Helios und Rhön. „Ich bin froh, dass sich die großen Aktiengesellschaften im Land noch nicht breitmachen konnten“, sagte sie der StZ.

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Stuttgart -

In Baden-Württemberg gibt es 253 Krankenhäuser, gut die Hälfte schreibt rote Zahlen. Die Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) erklärt, warum sie Privatisierungen ablehnt, wie begrenzt ihr Einfluss auf die Krankenhausplanung ist und welche Emotionen hochkochen, wenn eine Klinik geschlossen wird.
Frau Altpeter, wann waren Sie zum letzten Mal als Patientin im Krankenhaus?
Das war bei der Geburt meiner Tochter vor 17 Jahren, seither war ich als Patientin in keiner Klinik mehr. Als Angehörige war ich vor drei Jahren gefragt, als meine Tochter stationär behandelt werden musste.
Wie beurteilen Sie das medizinische Niveau der Krankenhäuser im Land?
Die Universitätskliniken und die Schwerpunkt-Krankenhäuser im Land bieten Hochleistungsmedizin. Gleichzeitig gibt es eine ordentliche flächendeckende Grund-und Regelversorgung. Wenn man bedenkt, wie viele Krankenhausbetten in den vergangenen Jahren abgebaut wurden, ist das bemerkenswert.
Die Hälfte der Krankenhäuser ist defizitär. Vor allem kleinere Kliniken leiden. Ist es sinnvoll, an den kleinen Häusern festzuhalten?
Wir investieren als Land kein Geld in Krankenhäuser, von denen wir sagen, die braucht es nicht. Isny ist ein Beispiel, ein Krankenhaus mit nur 19 Betten. Ein so kleines Haus können Sie nicht wirtschaftlich betreiben. Auch in Zukunft werden wir bei einzelnen Häusern Zuschüsse ablehnen müssen. Krankenhäuser brauchen eine gewisse Größe und Patientenzahl, um Qualität erbringen zu können. Deshalb braucht es Fusionen und Kooperationen.
Ein großer Teil der Krankenhäuser im Land befindet sich in öffentlicher Hand. Angesichts der hohen Defizite stellt sich die Frage, ob eine private Struktur nicht besser wäre?
Die große Aktiengesellschaft ist in erster Linie ihrer Rendite verpflichtet und ihren Aktionären. Es mag für manche Kommunalpolitiker verlockend klingen, das defizitäre Krankenhaus an einen Klinikkonzern zu verkaufen und die Verantwortung abzugeben. In Herbolzheim ging die städtische Klinik an Helios. Die Privatisierung war mit der Hoffnung verbunden, das Haus zu retten. Nach drei Jahren wurde es von Helios geschlossen. Wer Gewinne mit einem Krankenhaus machen will, pickt sich die Rosinen heraus und gibt die Bereiche auf, mit denen kein Geld zu verdienen ist.



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