Interview mit Stefan Mappus "Am Ende entscheidet die Gesamtschau"

Von Reiner Ruf 

Stefan Mappus sieht sich kurz vor dem Wahltag in der Defensive. Im Interview sagt der Ministerpräsident, wie er den Trend drehen will.

Regierungschef Stefan Mappus hofft, dass das Thema Atomkraft am Wahltag nicht das allein entscheidende sein wird.  Foto: Steinert
Regierungschef Stefan Mappus hofft, dass das Thema Atomkraft am Wahltag nicht das allein entscheidende sein wird. Foto: Steinert

Stuttgart - Wer regiert nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg? Fast alles scheint möglich. Wir haben die Spitzenkandidaten von SPD, FDP und Linken vorgestellt. Heute folgt als Letzter in der Reihe Stefan Mappus, der Ministerpräsident und Spitzenkandidat der CDU.

Herr Ministerpräsident, hat Ihnen die Atomkatastrophe in Fukushima die Landtagswahl vermasselt?

Dieses schlimme Unglück in Japan hat ohne Zweifel den Wahlkampf beeinflusst. Denn vor 14 Tagen lagen CDU und FDP sechs Prozent vor SPD und Grünen. Ich bin mir aber sicher, dass die Bürger ihre Wahlentscheidung nicht allein von diesem Thema abhängig machen werden, sondern von einer Vielzahl von Themen. Dazu gehört natürlich die Energiepolitik. Aber auch Stuttgart 21 wird bei der Wahl eine Rolle spielen, ebenso die Bildungspolitik.

Ich sage: Unser Schulsystem ist das beste in ganz Deutschland. Ich will gegen den Länderfinanzausgleich klagen, Herr Kretschmann von den Grünen ist dagegen. Ich möchte unsere erfolgreiche Wirtschaftspolitik fortsetzen. Herr Kretschmann hingegen vergleicht unser Land mit dem untergehenden Troja. Dafür will er gemeinsam mit der SPD die Steuern in Baden-Württemberg erhöhen. Es steht also eine Menge für Baden-Württemberg auf dem Spiel. Am Ende wird die Gesamtschau entscheiden und nicht ein Thema allein.

Die Umfragen verheißen Ihnen für den Wahlsonntag wenig Gutes.

Ich bin dennoch zuversichtlich - auch deshalb, weil ich mich im vergangenen Dreivierteljahr mehrfach in sehr schwierigen Situationen befand, und dann haben wir es jedes Mal geschafft, dass es wieder aufwärtsging. Das Land steht ausgezeichnet da, und die Menschen werden sich in der Wahlkabine überlegen, ob sie das wirklich riskieren wollen.

Betrachten Sie es im Nachhinein als Fehler, dass Sie sich so sehr für die Laufzeitverlängerung der Atommeiler verkämpft haben?

Ich habe das aus Überzeugung und auf der Basis von Sachgründen gemacht. Die Laufzeitverlängerung war Teil des Wahlprogramms von CDU und FDP im Bundeswahlkampf 2009. Wir haben vor der Wahl gesagt, dass wir das anstreben, wir haben die Wahl gewonnen, dann das Vorhaben in den Koalitionsvertrag geschrieben und schließlich umgesetzt. Es ist ja nicht so, dass wir das alles heimlich gemacht hätten. Ich habe die Laufzeitverlängerung in der Öffentlichkeit vertreten, und genau deshalb empfinde ich jetzt eine besondere Verantwortung, mich darum zu kümmern, wie es in der Energiepolitik weitergeht.