InterviewInterview mit Steffen Jäger „Luxuriöse, schwierige Aufgabe“

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Steffen Jäger, der Bürgermeister von Oppenweiler, tritt Anfang Juli seine neue Stelle als Beigeordneter des Gemeindetags Baden-Württemberg an. Er erwartet, dass die ärztliche Versorgung für die Kommunen im ländlichen Raum das nächste Megathema wird.

Steffen Jäger sagt:  „In den Kommunen finden wir die besseren Lösungen“. Foto: Gottfried Stoppel
Steffen Jäger sagt: „In den Kommunen finden wir die besseren Lösungen“. Foto: Gottfried Stoppel
Oppneweiler - Er war knapp sieben Jahre lang in einem Landesministerium tätig, unter anderem als persönlicher Referent von zwei Landessozialministern. Seither ist Steffen Jäger Bürgermeister von Oppenweiler – aber nicht mehr lange. Im Juli tritt der Verwaltungswirt seine neue Stelle beim Gemeindetag an. Warum er sich für den Wechsel entschieden hat und was auf ihn zukommt, erklärt er im Interview.
Herr Jäger, nach nur vier Jahren treten Sie vom Amt des Bürgermeisters von Oppenweiler zurück. Wenn Ihnen das jemand am Wahlabend 2010 vorhergesagt hatte, wie wäre Ihre Reaktion ausgefallen?
Das hätte ich sicherlich nicht als wahrscheinliche Option angesehen. Wenn Sie mich allerdings vier Jahre vor dem Wahlabend gefragt hätten, ob ich in vier Jahren Bürgermeister sein werde, dann hätte ich das auch für unwahrscheinlich gehalten.
Welche Pläne hatten Sie 2010?
Wenn ich mich für eine Sache entscheide, dann kann ich mir immer grundsätzlich vorstellen, diese langfristig zu machen, sicherlich auch länger als acht Jahre. Ich hatte aber die luxuriöse aber auch schwierige Aufgabe, mich Ende vergangen Jahres zwischen zwei hervorragenden Möglichkeiten entscheiden zu dürfen – und zu müssen. Ich musste mich für eine gute und gegen eine andere gute Sache entscheiden.
Ist das Votum knapp ausgefallen?
51 zu 49 für den Posten beim Gemeindetag.
Hätten Sie sich vorstellen können, 32 Jahre lang Bürgermeister zu bleiben? Wie ihr Vorgänger Bernd Brischke.
Ich war damals noch nicht einmal 32 Jahre alt, ich hätte mich auch gar nicht gewagt zu sagen: Ich will 32 Jahre lang Bürgermeister bleiben.
Was hat den Ausschlag gegeben? Wieso ist die Entscheidung pro Gemeindetag gefallen?
Es lohnt sich, an der Schnittstelle von Landespolitik und kommunalen Interessen für die kommunale Sache einzutreten.
Was machen Sie denn genau beim Gemeindetag? Welche Aufgaben übernehmen Sie?
Wir wollen den kommunalen Akteuren das Handwerkszeug bereitstellen, sie beraten. Es geht darum, die landesgesetzlichen Vorgaben vernünftig umzusetzen.
Geht das ein bisschen konkreter?
Die Bürgermeister können sich bei uns melden und fragen, was sie beim Gesetz xy beachten müssen. Meine Zielsetzung ist es allerdings, bereits im Vorfeld alles aktiv so zusammengefasst zu haben, dass bereits ein gute Handlungsanleitung vorliegt.
Gibt es Themen, die vor Ort auf den Nägel brennen?
Für die Kommunen im ländlichen Raum wird ganz bestimmt die ärztliche Versorgung das Megathema der nächsten Jahre.
Was meinen Sie: wieso sind gerade Sie gefragt worden. Warum sind Sie aus Sicht des Präsidiums und des Landevorstands des Gemeindetags für den Posten prädestiniert.
Ich habe mich nicht beworben. Die Anfrage ist wohl in meiner Vita begründet. Ich war knapp sieben Jahre lang in einem Landesministerium, unter anderem als persönlicher Referent von zwei Landessozialministern. Ich kenne die Sicht der kommunalen Basis. Und ich bin fest überzeugt: In den Kommunen finden wir die besseren Lösungen als auf Bundes-, auf Landes- oder auf Europaebene.
Welche Erkenntnisse können Sie bei Ihrer künftigen Arbeit ganz besonders gut brauchen?
Die vier Jahre als Bürgermeister waren elementar. In der Kommune wird das Leben gestaltet. Wir müssen es schaffen als kommunaler Spitzenverband, dass die Handlungsmöglichkeiten vor Ort erhalten blieben. Wir müssen in den Kommunen die passenden Entscheidungen fällen können.
Ein ganz konkretes Beispiel aus Oppenweiler: Was haben Sie beim Streit mit dem Besitzer der Rüflensmühle gelernt, der sich erfolgreich gegen die Hochwasserschutz-Pläne der Gemeinde und des Wasserverbands gewehrt hat? Was nehmen Sie mit?
Man kann immer lernen. Ich habe auch bei dieser Angelegenheit gelernt.
Was?
Ich nehme mit, dass man auch in diesem Fall der Gemeinde etwas mehr Freiraum hätte bieten sollen. Hätten wir von Anfang an freier entscheiden dürfen, wir hätten uns vermutlich schneller mit dem Mühlenbesitzer geeinigt.
Ist der neue Job eigentlich sicherer als Ihr jetziger?
Ich muss nach acht Jahren auch wiedergewählt werden – wie jeder Bürgermeister. Allerdings vom Landesvorstand des Gemeindetags. Es bleibt ein Wahlamt.
Sie und Ihre Familie werden auch künftig in Oppenweiler wohnen?
Ja unbedingt. Wir haben schon vor meiner Wahl zum Bürgermeister hier gelebt und fühlen uns in Oppenweiler absolut wohl.
Welche Aufgaben hätten Sie in Oppenweiler noch gerne erledigt?
Von dem Arbeitsprogramm, das ich am Wahlabend 2010 im Kopf hatte, ist schon sehr viel abgehakt. Wir haben zum Beispiel den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung sehr gut umgesetzt. Wir haben die Wirtschaft weiter gestärkt. Die beiden größten Arbeitgeber in Oppenweiler bauen zurzeit, die Zahl der Beschäftigten wird steigen. Der Generationenwechsel bei den niedergelassenen Ärzten ist geschafft. Die Nahversorgung ist sichergestellt.
Alles in Butter also?
Nicht ganz. Wir verlieren über kurz oder lang wohl die Werkrealschule, leider. Unser ambitioniertes Projekt Handballschule wurde vom Land gekippt. Unser Ziel war eine Versuchsschule, die einen mittleren Abschluss anbietet.
Also alles erledigt im Flecken. Bleibt Ihrem Nachfolger Sascha Reber, der Anfang Juli antritt, nichts mehr zu tun?
Doch, natürlich. In einer Gemeinde geht die Arbeit nie aus. Der Hochwasserschutz ist nicht abgeschlossen. Das Schulthema bleibt akut, Thema Ganztagsschule, Thema Inklusion. Der B-14-Weiterbau und der Bau der Ortsumfahrung. Der Verkehrsminister Hermann hat kürzlich bei einem Besuch in Oppenweiler versprochen, dass das Planfeststellungsverfahren für die Umfahrung des Orts in absehbarer Zeit eingeleitet werden soll. Auf diese Aussage müssen wir ihn verhaften.
Wenn ich Ihnen nun vorhersage: Herr Jäger, in vier Jahren wechseln Sie den Job schon wieder. Was sagen Sie?
Glaube ich aus heutiger Sicht nicht.




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