Interview mit Steve McQueen „Sklaverei war immer Teil meines Alltags“

Steve McQueen (Mitte) mit seinen Stars aus „12 Years a Slave“: Lupita Nyong’o,  Chiwetel Ejiofor, Sarah Paulson und Michael Fassbender (v.l.) Foto: dpa
Steve McQueen (Mitte) mit seinen Stars aus „12 Years a Slave“: Lupita Nyong’o, Chiwetel Ejiofor, Sarah Paulson und Michael Fassbender (v.l.) Foto: dpa

Exklusiv Mit seinem Film „12 Years a Slave“ hat der Regisseur Steve McQueen gerade den Golden Globe gewonnen. Warum ihn das Thema schon als Kind beschäftigt hat und wieso er so gern mit Brad Pitt zusammenarbeitet, verrät der 44-jährige Brite im StZ-Interview.

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StuttgartSteve McQueens Drama „12 Years a Slave“ ist die Geschichte des verschleppten und versklavten New Yorkers Solomon Northup. Am Donnerstag kommt es in die deutschen Kinos. Es ist erst McQueens dritter Film, und schon wird er für den Oscar gehandelt. Im Gespräch mit Patrick Heidmann erzählt der britische Regisseur (44), warum das Thema Sklaverei ihn schon als Kind beschäftigt hat. Und er verrät, warum er so gerne mit Michael Fassbender und Brad Pitt zusammenarbeitet.
Herr McQueen, Ihrem Film „12 Years a Slave“ liegt eine wahre Geschichte zu Grunde. Wie sind Sie auf die gestoßen?
Klar war, dass ich einen Film über die Sklaverei drehen wollte. Ich war immer der Meinung, dass dieses Thema auf der Leinwand noch nicht hinreichend visualisiert wurde. Den Film, denn ich dazu sehen wollte, hatte jedenfalls noch niemand gemacht. Was mir am Anfang am meisten Probleme bereitete, war der Einstieg. Doch irgendwann kam ich auf die Idee, einen freien Mann zum Protagonisten zu machen, der in den Nordstaaten gekidnappt und dann im Süden als Sklave verkauft wird.
Dass es solche Fälle gab, dürfte in Europa vielen Zuschauern nicht bekannt sein.
Ist aber so. Mir gefiel das als Ansatz, denn so kann das Publikum die Geschichte ganz konkret durch seine Augen erleben. Gemeinsam werden Solomon Northup und die Zuschauer in dieses Labyrinth der Sklaverei versetzt und müssen sich dort zurechtfinden. Allerdings bereitete mir das Schreiben des Drehbuchs ein paar Schwierigkeiten. Bis mir meine Frau, die Historikerin ist, den nahe liegenden Rat gab, mir doch mal Aufzeichnungen und Tagebücher aus jener Zeit anzusehen. Wir recherchierten – und sie stieß auf ein Buch mit dem Titel „12 Years a Slave“. Letztlich war das Schicksal.
Glauben Sie an so etwas?
Ich bin fest davon überzeugt, dass man als Künstler oder Erzähler wie ein Magnet jene Geschichten und Themen anzieht, die für einen vorgesehen sind. Solomons autobiografischen Tatsachenbericht nahm ich in die Hand, und jede weitere Seite, die ich umblätterte, war für mich eine Offenbarung. Man denkt ja oft, wir würden so viel wissen über die Sklaverei. Aber was ich in diesem Buch las, erschien mir mitunter wie Science-Fiction. Da stand so vieles drin, von dem ich keine Ahnung hatte. Nach der Lektüre war ich traurig und sauer auf mich selbst, denn es kam mir unverantwortlich vor, so ein wichtiges Buch nicht zu kennen. Ich fühlte mich dumm und ignorant. Doch bald stellte ich fest, dass niemand, den ich kannte, je davon gehört hatte. Das weckte in mir erst recht das Verlangen, diese Geschichte auf die Leinwand zu bringen.
Manche Kritiker werfen Ihnen vor, die Sklaverei zu harmlos darzustellen, weil Ihr Protagonist nicht sein Leben lang, sondern nur zwölf Jahre als Sklave verbringt.
Bei mir persönlich hat noch niemand diese Kritik hervorgebracht. Deswegen besteht für mich kein Anlass, mich dazu zu äußern.
Dann noch mal zurück zur Vorlage. Interessanterweise wurde die ja fürs Fernsehen schon einmal verfilmt . . .
Genau, 1984, von Gordon Parks. Den Film habe ich nie gesehen. So geht es vermutlich den meisten, denn er lief damals im kommerziellen Fernsehen, sondern auf einem staatlich geförderten Sender, der nicht die Massen vor die Bildschirme lockte.




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