Herr Bareiß, was spricht aus der Sicht eines konservativen Christdemokraten für Schwarz-Grün?
Sicherlich der Grundgedanke eines nachhaltigen und langfristigen politischen Handelns. Dazu gehört in besonderer Weise natürlich die Bewahrung der Schöpfung. In der konkreten Ausgestaltung wird es dann bei den Grünen jedoch sehr ideologisch, und das passt oft nicht zu unserem christdemokratischen Menschenbild.
Wo sehen Sie politische Schnittmengen?
Da muss ich lange überlegen. Zu Zeiten von Bütikofer, Kuhn und Schlauch konnte man noch sagen: in finanz- und steuerpolitischen Fragen. Aber auch da ging es in den letzten Jahren in eine andere Richtung. Die Grünen setzen viel mehr auf Umverteilung, Abgaben und Steuererhöhung. Und auch Baden-Württemberg zeigt, dass grüne Politik nicht unbedingt für einen soliden und nachhaltigen Haushalt stehen muss. Die Grünen sind linker geworden.
Und wo Dissenspunkte?
Die Grünen wollen Tempolimit 30 in Städten und 120 auf Autobahnen, Abschaffung der Realschulen und Gymnasien, Ölheizungsverbot, EU-Türkeibeitritt, Vermögensabgabe, doppelte Staatsbürgerschaft, Abschaffung des Ehegattensplittings und Betreuungsgelds, Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Verbot von neuen und effizienten Kohlekraftwerken, Abschaffung von Religionsunterricht an Schulen, Vergemeinschaftung der europäischen Schulden und Eurobonds. Die Liste ist leider zu lang. Wollen Sie noch mehr?
Lässt sich die Kluft zwischen dem alternativen Lager und der CDU überwinden?
Wenn ich mir das neue alte Spitzenpersonal der Grünen in Berlin an­schaue, wird das noch dauern. Die Fraktionsvorsitzendenwahl hat den Linksruck ja eher bestätigt. Die Ökolinken haben wieder die Oberhand.
Wie groß wäre das Risiko, durch ein Bündnis mit den Grünen traditionsbewusste Unionswähler zu verprellen?
In einer Koalition muss man immer Kompromisse schließen. Das gefällt beiden Seiten nicht immer. Derzeit sind für mich die programmatischen Unterschiede einfach zu groß. Deshalb sehe ich derzeit beim besten Willen keine Chance für ein Bündnis.
Oft ist die Rede von der Pizza-Connection. Pflegen Sie freundschaftliche Kontakte zu grünen Kollegen?
Natürlich habe ich auch zu einigen grünen Kollegen einen engen und guten Draht, obwohl ich einen klaren Standpunkt vertrete. Das hilft sogar manchmal, denn dann wissen beide Seiten, woran man ist.