Interview mit Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) „Wir wollen Rot-Grün und sonst gar nichts“

Von Fragen von Gerhard Kneier 

Die SPD werde den schwachen Umfragen trotzen und die Wahl in Hessen sowie im Bund gewinnen, sagt Thorsten Schäfer-Gümbel voraus. Ein Bündnis mit der Linkspartei lehnt er ab.

Thorsten Schäfer-Gümbel will Hessen für die SPD gewinnen. Foto: dpa
Thorsten Schäfer-Gümbel will Hessen für die SPD gewinnen. Foto: dpa
Stuttgart – Die SPD werde den schwachen Umfragen trotzen und die Wahl in Hessen sowie im Bund gewinnen, sagt Thorsten Schäfer-Gümbel voraus. Ein Bündnis mit der Linkspartei lehnt er ab.
Herr Schäfer-Gümbel, der Vorsprung von Rot-Grün bei den Umfragen in Hessen schrumpft. Verhagelt Ihnen bei der Doppelwahl von Landtag und Bundestag am 22. September der Bundestrend den Erfolg?
Nein, ich bin fest davon überzeugt, wir werden am Ende im Land und im Bund eine rot-grüne Mehrheit haben.

Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wird auch nicht im Landtagswahlkampf versteckt?
Peer Steinbrück wird im Wahlkampf mehrfach in Hessen auftreten. Wir haben überhaupt keinen Grund, in der Kampagne defensiv zu sein.

Mit welcher Strategie wollen Sie denn Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stellen, der ja Themen von Ihnen aufgreift und so versucht, Ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen?
Unsere Kernthemen sind Arbeit, Bildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Wohnen – über allem steht die soziale Gerechtigkeit. Da besitzt schwarz-gelbe Politik keine Glaubwürdigkeit und liefert Murks. Bestes Beispiel ist der G8/G9-Schnellschuss, der schlicht im Schulchaos geendet hat. Die CDU gibt nur leere Versprechen. Etwa die kostenlosen Kita-Plätze: die möchte sie aus dem Erlös der Klage gegen den Länder­finanzausgleich bezahlen. Bis aber in Hessen aus einer Reform tatsächlich mehr Geld in der Kasse ist, werden einige Jahre vergehen. Solch ein Versprechen ist unseriös.

Worauf kam es Ihnen bei der Aufstellung der Wahlkampfmannschaft mit vielen Frauen und Auswärtigen von außerhalb der Landtagsfraktion an?
Mir war es wichtig, im 150. Jahr der deutschen Sozialdemokratie eine Mannschaft aufzustellen, bei der am Ende mehr Frauen als Männer in der Regierung sind. Das ist eine Premiere. Auch die unterschiedliche internationale Erfahrung war mir wichtig. Es ist ein harmonierendes Team, eine gelungene Mischung verschiedener Kompetenzen und Persönlichkeiten.

Sie wollen Rot-Grün. Aber welche Koalitionsoptionen gibt es für den Fall, dass es dafür nicht reicht?
Es wird reichen.

In der hessischen CDU wird ja über die Option Schwarz-Grün diskutiert, sollte es für CDU und FDP zu knapp werden. Sind Sie sich der Grünen als Partner sicher?
Laut den Umfragen liegt Rot-Grün vor Schwarz-Gelb, und Rot-Grün ist die mit Abstand beliebteste Koalition der Wähler. Die Wechselstimmung ist deutlich. Wenn die Umfrageergebnisse am Wahlabend bestätigt werden, gibt es Rot-Grün. Angesichts der Schwäche der FDP bekommt die CDU natürlich Torschlusspanik. Deshalb nehme ich diese Debatte mit Interesse zur Kenntnis, auch weil die Grünen das nicht kommentieren. Das bedeutet: wer den Politikwechsel will, muss SPD wählen.

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