Interview mit Tim Wiese „Ein paar Kilo draufgepackt“

Von Frank Hellmann 

Tim Wiese (32) war der zweite umjubelte Star beim Abschiedsspiel von Ailton. Ein Gespräch über das Leben ohne den Ball und die Bundesliga, das ideale Kampfgewicht und die Zukunft des ehemaligen Nationaltorhüters.

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Bremen – - Tim Wiese (32) war der zweite umjubelte Star beim Abschiedsspiel von Ailton. Ein Gespräch über das Leben ohne den Ball und die Bundesliga, das ideale Kampfgewicht und die Zukunft des ehemaligen Nationaltorhüters.
Herr Wiese, im Weserstadion hat es bei jeder Ballberührung von Ihnen Sprechchöre gegeben. Wie gut tun die Ovationen des Publikums, die Sie beim Ailton-Abschiedsspiel bekommen haben?
Das hat richtig Spaß gemacht. Ich habe den Leuten wieder gezeigt, dass ich es noch kann. Und ich gebe zu: dieser Applaus war atemberaubend, und es war schön, so etwas wieder zu erleben. Das hat mir gezeigt, wie beliebt ich in Bremen bin.
Und die Pfiffe beim gehaltenen Elfmeter von Ailton?
Ich wollte eben zu Null spielen.
Bremen ist wieder der Lebensmittelpunkt von Ihnen und Ihrer Familie geworden, da der bis 2016 laufende Vertrag mit der TSG Hoffenheim ruht. Gibt es die Möglichkeit, dass Sie noch einmal in die Bundesliga zurückkehren?
Ich bin Realist. Ich habe lange nicht gespielt. Mein letztes Spiel habe ich im Frühjahr 2013 in Frankfurt gemacht, da wird es dann sehr schwer. Wenn mich jemand fragen würde, wäre ich sicherlich nicht abgeneigt. Anhören kann man sich alles, manchmal juckt es ja schon. Aber ich weiß natürlich, dass in der Bundesliga lieber auf jüngere Torhüter gesetzt wird.
Sie haben mit 32 Jahren jetzt einiges an Muskelmasse aufgebaut und wiegen derzeit rund 115 Kilo. Wäre das bei einem Comeback nicht störend?
Ehrlich gesagt: nein. Ich fühle mich besser als früher. Klar, habe ich ein paar Kilo draufgepackt, aber das wäre kein Hindernis. Ich müsste nur ein bisschen trainieren, und ich wäre besser als je zuvor (lacht).
Wie erleben Sie die Bundesliga?
Ich werde mir vielleicht im Weserstadion das eine oder andere Spiel anschauen.
Fehlt Ihnen nicht manchmal einfach das Gefühl, einen Ball in den Händen zu halten?
Ach, ich habe schon so viele Bälle in den Händen gehabt, das verlernt man nicht, wenn man 13, 14 Jahre auf höchstem Niveau gespielt hat. Nur das Training hat sich verändert: Ich arbeite derzeit eben an meinem ganzen Körper.
Torsten Frings hat 2013 sein Abschiedspiel bestritten, Ailton in diesem Jahr. Sind Sie 2015 an der Reihe?
Ha, das ist ja eine schöne Frage. Damit habe ich mich noch gar nicht beschäftigt. Einfach mal abwarten, ich werde drüber nachdenken. Aber die Werder-Fans wissen, was man geleistet hat.