InterviewInterview mit Umweltministerin Hendricks „Sigmar Gabriel weiß, wie wichtig Naturschutz ist“

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Es gibt viele Überschneidungen zwischen Ihrem Ressort und dem Wirtschafts- und Energieministerium. Wie stellen Sie sicher, dass Sie von dem Kabinettsschwergewicht Sigmar Gabriel nicht an die Wand gedrückt werden, zum Beispiel wenn der Naturschutz einer schnellen Energiewende entgegen steht?
In dieser Koalition drückt keiner den anderen an die Wand. Wenn es unterschiedliche Interessen gibt, werden wir eine vernünftige Lösung für alle finden. Wir haben im Koalitionsvertrag ein Kompetenzzentrum Energiewende und Naturschutz vereinbart, um Konflikte zwischen Naturschutz und Energiewende zu minimieren. Dieses Zentrum werde ich nun rasch auf den Weg bringen. Sigmar Gabriels Stimme im Kabinett hat großes Gewicht, weil er Parteichef und Vizekanzler ist. Aber er war auch mal Umweltminister und weiß, wie wichtig der Umwelt- und Naturschutz ist.
Der Klimaschutz ist auch ein Spannungsfeld. Wie wollen Sie Klimaziele erreichen, wenn immer mehr schmutziger Kohlestrom produziert wird, um die Schwankungen bei Wind- und Sonnenstrom auszugleichen?
Wir müssen den EU-Emissionshandel so rasch wie möglich wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Es gibt viel zu viele Zertifikate, und deshalb sind sie einfach zu billig. Insgesamt müssen zwei Milliarden Emissionszertifikate dauerhaft aus dem Markt verschwinden. Es reicht nicht, beim sogenannten Backloading auf EU-Ebene im nächsten Monat 900 Millionen Verschmutzungsrechte aus dem Verkehr zu ziehen. Wir treten dafür ein, den europäischen Emissionshandel nicht erst 2020 neu zu regeln, wie Brüssel es bisher plant, sondern schon 2016.