Interview mit Verkehrsminister Hermann Klimaneutrales Wachstum ist das Ziel

Von Jörg Nauke 
Als Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens freuen Sie sich über hohe Gewinne und steigende Passagierzahlen, registrieren aber auch die verheerende Wirkung überbordenden Flugverkehrs auf das Klima. Wie sehr schmerzt Sie dieser Spagat?
Jede Mobilität, die auf Verbrennungsmotoren beruht, ist ein großes Problem für das Weltklima. Deshalb gilt es, unnötige Flüge zu vermeiden, die Effizienz der herkömmlichen Flugzeuge weiter zu steigern und klimaneutrale, biogene Antriebsstoffe zu entwickeln. Und deshalb müssen wir auch unsere Anstrengungen, vom Verbrennungsmotor wegzukommen, in den nächsten Jahren in allen Bereichen noch erheblich steigern. Das gilt auch für den Luftverkehr. So gibt es erste, erfolgversprechende Ansätze, auch hier Elektromobilitäts-Technologien einzusetzen. Das absolute Minimalziel ist für mich ein klimaneutrales Wachstum im Luftverkehr.
Die Flughafen-Geschäftsführung hat den Bau eines weiteren Terminals in Aussicht ­gestellt. Wie stellt sich das Land zu diesen Erweiterungsplänen? Nach der Veröffent­lichung dazu in der StZ ist durch Anrainer die Befürchtung geäußert worden, es könnte eine neuerliche Debatte über eine zweite Startbahn folgen. Was können Sie den besorgten Bürgern ­dazu sagen?
Die Geschäftsführung des Flughafens hat aufgrund der zunehmenden Passagierzahlen erste Überlegungen für zusätzliche Abfertigungskapazitäten angestellt. Entschieden ist jedoch noch nichts. Es gibt keinerlei Pläne für eine zweite Start- und Landebahn. Da die eingesetzten Flugzeuge in Stuttgart in den letzten Jahren immer größer wurden und dieser Trend wohl auch noch anhalten wird, sehe ich für die nächsten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte keinen Bedarf für eine zweite Bahn. Mit dieser Landesregierung wäre eine solche zweite Bahn auch nicht zu machen.
Elektroantriebe bei Bussen und die Förderung des elektrischen Fliegens in allen Ehren – aber grün wird Ihr Flughafen ­angesichts von 130 000 Flugbewegungen deshalb nicht.
Das sehe ich anders. Viele wollen das Flugzeug als das schnellste und bequemste Verkehrsmittel für längere Strecken nutzen. Deshalb kann es nur darum gehen, den Luftverkehr möglichst umwelt- und klimaverträglich zu machen. Da sind die Flugzeugbauer, die Flugsicherung und die Flughafenbetreiber in gleicher Weise gefordert. Der Flughafen Stuttgart ist mit dem Fairport-Konzept seinem Ziel, einer der nachhaltigsten Flughäfen in Europa zu werden, in den letzten Jahren schon näher gekommen. Ein Flughafen ist dann „grün“, wenn er am Boden seine Aufgaben so erfüllt, dass die Umweltbelastungen auf das unvermeidliche Minimum beschränkt werden. Hier sind wir ein anerkannter Vorreiter geworden. Wir sparen Energie in den Gebäuden und fahren im Vorfeld zunehmend elektrisch.
Der Flughafenchef Georg Fundel geht 2017 in den Ruhestand. Sie hätten die Möglichkeit, die Stelle stärker ökologisch und nachhaltiger auszurichten. Wird die Stelle „politisch“ besetzt oder favorisieren Sie einen Finanz- und Flughafenexperten?
Wir werden für die Nachfolge von Herrn Fundel mit professioneller Unterstützung eine Person suchen, die diese Führungsaufgabe kompetent ausfüllen kann. Die Stellenbesetzung erfolgt ausschließlich nach fachlichen Kriterien. Darüber haben wir uns im Aufsichtsrat verständigt.

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