InterviewInterview mit VfB-Trainer Huub Stevens „Meine Frau sagt, ich sei verrückt“

Beim VfB gibt jetzt Huub Stevens die Richtung vor. Klicken Sie sich in unserer Bilderstrecke durch die Stationen von Stevens Karriere. Foto: Baumann 13 Bilder
Beim VfB gibt jetzt Huub Stevens die Richtung vor. Klicken Sie sich in unserer Bilderstrecke durch die Stationen von Stevens Karriere. Foto: Baumann

Exklusiv Huub Stevens fordert nach seinem Amtsantritt beim VfB Stuttgart die Spieler auf, im Bundesliga-Abstiegskampf mehr Verantwortung zu übernehmen. „Ich will Spieler, die eine eigene Meinung haben“, sagte der 60-jährige Coach in einem StZ-Interview.

Sport: Carlos Ubina (cu)
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Stuttgart – - Der Trainerroutinier Huub Stevens soll in den letzten zehn Saisonspielen den VfB Stuttgart vor dem Abstieg in die zweite Liga retten. „Es ist hilfreich, wenn man solche Situationen schon einmal selbst miterlebt hat“, sagt der 60 Jahre alte Niederländer.
Herr Stevens, mit 60 freuen sich die meisten Arbeitnehmer darauf, beruflich allmählich etwas kürzer treten zu können. Warum tun Sie sich noch einmal den Abstiegskampf an?
Ganz einfach: ich fühle mich sehr gut, bin gesund und habe große Lust dazu. Meine Frau sagt zwar immer, ich sei ein bisschen verrückt. Und womöglich hat sie auch recht. Aber mir macht es immer noch Spaß.
Gar nicht darüber nachgedacht, sich nach Ihrer Entlassung in Saloniki eine schöne Zeit in der griechischen Sonne zu machen ?
Die Geschichte lief so: ich bin sonntags entlassen worden, montags kam meine Frau nach Saloniki. Das war schon lange so geplant gewesen. Wir haben vorher überlegt, was wir in der nahen Zukunft tun könnten: Nach Berlin zu reisen und unseren Sohn und unsere Enkelkinder zu besuchen; oder lieber nach Mallorca zu fliegen und in unserem Ferienhaus auszuspannen.
Schöner Plan.
Stimmt. Aber dann hat das Telefon geklingelt und Fredi Bobic war am Apparat.
Und Sie waren sofort Feuer und Flamme?
Es ging ja zunächst nur um einen Plan B für den Fall, dass es gegen Braunschweig schiefgeht. Ich war mir sicher, dass dieser Fall nicht eintritt und dass Thomas Schneider die Sache hinbekommt. Ich habe das Spiel dann in Eindhoven im Fernsehen gesehen, mich über den 2:1-Führungstreffer gefreut – und am Ende geahnt: jetzt wird es ernst. Ich hatte Fredi Bobic schließlich mein Wort gegeben.
Was wollen Sie sich und dem VfB beweisen?
Es geht nicht darum, etwas zu beweisen. Es ist vielmehr ein Drang, der noch immer in mir steckt. Ich spüre noch nicht die Ruhe zu sagen: ich mache jetzt nichts mehr. Ich will dem Verein helfen. Darum geht es.
Sie haben in Ihrer Karriere schon einiges erlebt. Wie wichtig ist gerade im Abstiegskampf der Faktor Erfahrung?
Es kann auch funktionieren, wenn ein Trainer jung ist und eher unbekümmert an die Sache rangeht. Grundsätzlich aber denke ich, dass es sehr hilfreich ist, wenn man solche Situationen schon einmal selbst miterlebt hat und weiß, was auf einen zukommt. Ein Trainer muss im Abstiegskampf Sicherheit ausstrahlen und den Spielern Selbstvertrauen vermittlen. Sie suchen Halt und Unterstützung. Ich glaube, dank meiner Erfahrung kann ich ihnen das geben und ein Vorbild sein.




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