Interview mit Walter Döring "Wir dürfen uns nicht an die CDU binden"

Die FDP hatte zuletzt ziemlich viel saure Drops zu schlucken. Foto: dpa-Zentralbild 2 Bilder
Die FDP hatte zuletzt ziemlich viel saure Drops zu schlucken. Foto: dpa-Zentralbild

Philipp Rösler soll die FDP breiter aufstellen, rät ihm der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring im Interview. 

Politik: Michael Trauthig (rau)

Stuttgart - Philipp Rösler soll die FDP breiter als bisher aufstellen, rät ihm Walter Döring.

Herr Döring, Ihre Parteikollegen haben Guido Westerwelle gestürzt. Hat er das verdient?

Ich fand die Art und Weise unanständig. Während Westerwelle in China war, hat man ihm zu Hause die Bude abgebrannt und den Stuhl vor die Tür gesetzt. Das hatte sich zwar schon abgezeichnet, ich hätte es aber für richtig gehalten, wenn man ihm den zeitlichen Ablauf gegönnt hätte, der ursprünglich vorgesehen war.

Nun übernimmt Philipp Rösler das Spitzenamt - ein Befreiungsschlag für die FDP?

Rösler hat in Niedersachsen bewiesen, dass er ein guter Minister sein kann. Er hat auch bundespolitische Erfahrungen. Das Manöver ist zwar nicht ohne Risiko, aber man muss auch den Jüngeren eine Chance geben.

In den anderthalb Jahren als Gesundheitsminister ist seine Bilanz nur durchmischt.

Die anderthalb Jahre als Gesundheitsminister waren sicher ein Crashkurs. Er hat jedoch nun die Möglichkeit, in sein neues Amt hineinzuwachsen.

Die FDP soll auch mehr im Team geführt werden. Bricht nun Harmonie aus?

Ich wünsche mir eine neue Zeit der Gemeinsamkeit. Man sollte sich aber nichts vormachen. Es wird immer so sein, dass eine Partei mit einem Kopf identifiziert wird. Das war bei Westerwelle so. Das war bei Genscher so, und es ist auch in CDU und SPD nicht anders. Ich wünsche mir allerdings, dass wir uns personell breiter aufstellen.

Apropos breiter aufstellen. Reicht es, den Chef auszuwechseln? Müssen nicht auch andere Spitzenleute Konsequenzen ziehen?

Man sollte als Exvorsitzender keine Rücktrittsforderungen erheben. An so etwas habe ich mich nie beteiligt und überlasse es auch jetzt anderen.




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