InterviewInterview mit Wolfgang Hatz Porsche schafft 400 neue Stellen in der Entwicklung

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Exklusiv Porsche stockt seine Entwicklungsmannschaft weiter auf. „Dieses Jahr werden wir insgesamt an die 400 neue Mitarbeiter einstellen“, sagte Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz im StZ-Interview. „Der Bedarf wächst“ – auch, weil der Autobauer Geld in neue Modelle investiert.

In diesem Jahr tritt Porsche nach langer Pause  in Le Mans an. Foto: dpa
In diesem Jahr tritt Porsche nach langer Pause in Le Mans an. Foto: dpa
Stuttgart – - Wolfgang Hatz hat einst bei Porsche seine Diplomarbeit geschrieben. Heute ist er Entwicklungschef des Autobauers, der massiv in neue Modelle, alternative Antriebe und den Ausbau seines Entwicklungszentrums investiert. Besonders stolz ist Hatz darauf, dass Porsche mit dem Panamera als erster Hersteller im Luxussegment ein Auto mit Plug-in-Hybridantrieb auf die Straße gebracht hat.
Wolfgang Hatz. Foto: FACTUM-WEISE
Herr Hatz, Sie sind jetzt gut drei Jahre Entwicklungschef von Porsche. Als Sie Ihr Amt angetreten haben, sind Sie als VW-Mann in Stuttgart nicht von allen mit offenen Armen empfangen worden. In der Belegschaft gab es Vorbehalte. Es hieß, Sie hätten einen ruppigen Stil.
So habe ich das eigentlich nicht empfunden. Der Empfang war sehr freundlich. Für mich war das eine Heimkehr. Ich bin ja ein alter Porscheaner aus der Rennabteilung. Ich habe viele alte Freunde und Bekannte wiedergetroffen und bin von vielen langjährigen Porsche-Mitarbeitern mit offenen Armen begrüßt worden. Einer sagte: Dass mal einer von uns Vorstand wird, hätten wir nicht geglaubt.
Wie sieht Ihre Zwischenbilanz der ersten drei Jahre aus?
Für mich war 2013 das intensivste Jahr meiner beruflichen Laufbahn. Wir haben bei Porsche so viele Projekte wie noch nie in der Geschichte des Unternehmens bearbeitet. Zusätzlich zur Erneuerung unserer bisherigen Modellreihen ist die Produktion des Supersportwagens 918 Spyder angelaufen, und wir haben den Macan als weitere Baureihe vorbereitet. Darüber hinaus haben wir eine Variante des Panamera mit Plug-in-Hybridantrieb auf den Markt gebracht, die mir sehr am Herzen liegt.
Warum?
Als ich 2011 als Entwicklungschef bei Porsche angefangen habe, habe ich gesagt: hier müssen wir voll angreifen. Damit haben wir erneut bewiesen, dass wir hier in Weissach zukunftsorientierte Technologie ernst nehmen und auch auf die Straße bringen. Dass wir als erster Hersteller im Luxussegment ein Auto mit Plug-in-Hybridantrieb auf den Markt gebracht haben freut mich besonders.
Wie ist die Resonanz der Kunden auf diesen alternativen Antrieb, bei dem ein Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb kombiniert ist, der an der Steckdose aufgeladen werden kann?
Die Resonanz ist gut, wobei sie von Markt zu Markt unterschiedlich ausfällt. Die meisten Panamera S E-Hybrid gehen in die USA und die Niederlande gefolgt von Deutschland, Großbritannien und Belgien. Immerhin liegt die Quote bislang bei neun Prozent aller Panamera-Auslieferungen. Es ist jetzt wichtig, dass wir die Kunden ins Fahrzeug bringen und ihnen die Technik erklären. Viele kennen die Plug-in-Fahrweise noch nicht und haben sie noch nie erlebt. Die Reaktionen der Kunden sind immer die gleichen. Sie sind alle sehr überrascht, dass man mit dem Auto richtig elektrisch fahren kann, und zwar gemessene 36 Kilometer nach dem europäischen Fahrzyklus. Das elektrische Fahren ist ein echtes Aha-Erlebnis für unsere Kunden. Ich glaube deshalb stark an diese Technologie, und dass wir hier vorne wegfahren, beweist der 918 Spyder. Auf diesem Weg werden wir weitermachen und in diesem Jahr als nächstes Auto das Facelift des Cayenne mit Plug-in-Hybridantrieb auf den Markt bringen.
Bei rein batterieelektrischen Fahrzeugen ist die Autowelt geteilt. Der kalifornische Neuling Tesla ist der Shootingstar der Branche, andere wie Audi sind hier zögerlich.
Wir arbeiten an diesem Thema mit einem Forschungsprojekt auf der Basis des neuen Boxsters weiter und bauen derzeit die nächsten Versuchsfahrzeuge. Das Problem ist aber noch die zu geringe Reichweite. Mit den heutigen Technologien braucht man eine sehr große Batterie, sehr viel Gewicht und hat dennoch eine sehr begrenzte Reichweite. Mit einem Sportwagen möchte ich doch zumindest am Sonntag von Stuttgart an den Bodensee und zurückfahren können – ohne Ladestopp. Deshalb glaube ich, dass wir noch einen deutlichen Schritt machen müssen, bevor wir ein wirklich voll im Alltag nutzbares Elektroauto haben. Bis dahin ist der Plug-in-Hybrid die bessere Lösung.