InterviewAlexander Urban „Russen sind richtige Mathe-Käpsele“

Der Mathematik- und Chemielehrer Alexander Urban    ist  nach dem Referendariat 1983 zur Heidehofstiftung gegangen,   1992 wurde er  Geschäftsführer und war für den Bildungsbereich zuständig. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Mathematik- und Chemielehrer Alexander Urban ist nach dem Referendariat 1983 zur Heidehofstiftung gegangen, 1992 wurde er Geschäftsführer und war für den Bildungsbereich zuständig. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Alexander Urban, Vorsitzender des Vorsitzender des Stuttgarter Schülerforschungslabors Kepler-Seminar erklärt, warum Spaß und Wettbewerb zusammengehören – und warum er keine Elite fördern will.

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Stuttgart -

Herr Urban, warum sind unter den deutschen Teilnehmern des ICYS nur Schüler und Schülerinnen aus Baden-Württemberg?
Die drei baden-württembergischen Zentren, die die Konferenz dieses Jahr als Gastgeber organisieren, arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen und stimmen sich über die Nominierung eines gemeinsamen Teams ab. Ein nationales Auswahlverfahren wäre ein sehr großer Aufwand. Demgegenüber gibt es andere internationale Wettbewerbe, etwa die Junior-Science-Olympiade für jüngere Schüler, an denen andere Bundesländer stärker vertreten sind.
Nach welchen Kriterien entscheidet die Jury?
Wichtig sind die Originalität des Themas, die inhaltliche Qualität der Vorträge, die Rhetorik und wie die Schüler auf die Fragen der Jury antworten. Dort zeigt sich, ob sie ihr Thema auch wirklich durchdrungen haben. In der Entscheidung enthalten sich immer jene Juroren, die aus dem gleichen Land kommen wie die jeweiligen Teilnehmer.
Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Argument für solche Wettbewerbe?
Die Schüler sollen Erfahrungen sammeln, wie sie ihr eigenes Forschungsvorhaben nach den Regeln der Wissenschaft kommunizieren, und sie sollen Freundschaften über Ländergrenzen hinweg schließen. Sie sollen auch lernen, die Leistungen ihrer Konkurrenten wertzuschätzen und Ideen gemeinsam voranzutreiben.
Es heißt immer mal wieder, dass deutsche Schüler beispielsweise in Mathe besonders schlecht seien. Beobachten Sie internationale Unterschiede?
Insgesamt ist das Niveau international vergleichbar. Allerdings spielen die Teams aus Georgien, Russland und Weißrussland in der Tat in einer anderen Liga. Sie werden aber auch unglaublich gefördert, das sind richtige Mathe-Käpsele. Ihre Vorträge gleichen eher einer Masterarbeit.
Fördern Sie mit dem Kepler-Seminar die Bildung einer Elite?
Darum geht es uns ganz und gar nicht. Das Kepler-Seminar ist offen für alle, es gibt keinen Eingangstest oder Ähnliches, und die Teilnahme ist kostenfrei. Aber gut, wer beschäftigt sich schon in der Freizeit mit Mint-Themen? Real kommen natürlich vor allem die Talentierten. Aber es geht uns nicht um eine Hochbegabtenförderung, sondern um motivierte Schüler.
Und warum beschäftigen sich die Schüler freiwillig mit Unterrichtsthemen?
Erstens, weil es Spaß macht. Und zweitens auch, weil sie ihre Leistungen in einigen Projekten auch in der Schule anrechnen lassen können. Zudem haben sie natürlich bessere Chancen bei der Studienplatzwahl und ein großes wissenschaftliches Netzwerk.



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