Rechte Sprüche auf dem Sportplatz? In Süßen können Ehrenamtliche lernen, wie man damit umgeht. Regina Bossert von der Landeszentrale für politische Bildung erklärt, was dahinter steckt.
20.02.2013 - 09:00 Uhr
Frau Bossert, brennt es in Süßen schon? Wimmelt es da von Rechtsradikalen?
Das wäre mir neu. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es dort übermäßige Probleme gibt. Tatsache ist aber – das sieht man, wenn man aktuelle Studien betrachtet - dass menschenverachtende Einstellungen in der Bevölkerung und auch bei Jugendlichen zunehmend verbreitet sind. Da macht es Sinn, vorbeugend tätig zu werden. Und genau das tun wir.
Das Programm nennt sich „Team mex. Mit Zivilcourage gegen Extremismus.“ Was steckt dahinter?
Wir haben 2008 mit dem Projekt begonnen und mittlerweile einen ganzen Pool von Referenten zum Thema Extremismusprävention. Vor allem Schulen greifen darauf zurück, aber wir richten uns mit dem Angebot, das von der Baden-Württemberg Stiftung finanziert wird, auch an andere Multiplikatoren, an Erzieherinnen oder Fachkräfte, die zum Beispiel in Jugendhäusern tätig sind. In Süßen wird ein Argumentationstraining gegen Parolen und Populismus angeboten. Es geht darum, herauszufinden, was eigentlich rechte Sprüche sind, wie sie wirken und was dahinter steckt.
Auch wie man sie verhindern kann?
Verhindern ist dann schon die ganz hohe Kunst. Es geht vielmehr darum, bewusst zu machen, dass abwertende Sprüche nicht in Ordnung sind, und einzuüben, wie man im Alltag darauf reagieren kann. Viele Menschen würden nämlich gerne etwas sagen, fühlen sich aber in der konkreten Situation unsicher oder überfordert.
Sind Vereine ein Nährboden für solche rechten Sprüche und Verhaltensweisen?
Nein. Vereine sind Orte der Integration. Es sind Orte, wo Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, ob nun Herkunft, Bildungsstand oder Einstellung, zusammenkommen. Aber das heißt ja nicht, dass dort keine Aufklärung stattfinden kann. Es ist jedoch schwierig, Menschen, die sich nicht tagtäglich beruflich mit dem Problem rechter oder populistischer Sprüche auseinander setzen, dafür zu gewinnen.
In Süßen gibt es für das Tagesseminar an der Volkshochschule bislang noch keine Anmeldung.
Das ist, wie gesagt, einerseits verständlich, denn Ehrenamtliche müssen dafür ja ihre Freizeit opfern. Andererseits wäre es schön, wenn die Veranstaltung – auch ohne einen konkreten Anlass – auf Interesse stoßen würde. Und es ist ja auch immer gut, wenn etwas nicht verpflichtend ist, sondern aus Interesse geschieht. Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn mehr Vereine auf unser Angebot zugreifen würden.