Die Piratenpartei hat die Phase der Skandale und der Selbstklärung beendet, glaubt ihr Vorsitzender Bernd Schlömer. Im Gespräch mit StZ-Redakteurin Katja Bauer erklärt er, weshalb er trotz schlechter Umfragewerte an den Einzug in den Bundestag glaubt – und warum es kein Drama wäre, wenn es anders kommt.
14.08.2013 - 15:42 Uhr
Berlin - Was, wenn die Piraten es nicht in den Bundestag schaffen? Großer Schaden entstehe nicht, sagt Parteichef Bernd Schlömer, und setzt auf Europa.
Herr Schlömer, gut einen Monat vor der Wahl stehen die Piraten in den Umfragen bei zwei bis vier Prozent. Was ist aus der Euphorie des vergangenen Jahres geworden?
Die Umfragen sind noch nicht aussagekräftig, weil bis zu 40 Prozent der Menschen noch nicht wissen, was sie wählen. Wir wissen nicht, wie viele Menschen sich mehr oder weniger spontan für die Piraten entscheiden. Nach der Wahl in Niedersachsen bin ich skeptisch gegenüber Umfragen: die FDP wurde da immer bei zwei Prozent gesehen, am Ende bekam sie zehn Prozent. Wenn uns das am 22. September genau so geht, bin ich natürlich zufrieden.
Der Skandal um die NSA und das Ausspähen der Daten von Bundesbürgern bringt Ihnen nicht den erwarteten Wählerschub. Warum?
Das ist an dem Thema gar nicht das Entscheidende. Was mich viel mehr besorgt ist der Umgang von CDU und SPD mit dem Thema – sie klären nicht auf, es fehlt an fachlicher Kompetenz und am politischen Willen, Vorschläge zu unterbreiten. Das wird am Ende bei vielen Wählern nur noch mehr Misstrauen und Politikverdrossenheit auslösen und sie von Politik abschrecken. Wenn das eintritt, ist ein schwerer Schaden entstanden.
Ihre Partei hat eine Phase der Skandale und der Enttäuschungen hinter sich. Bekunden Wähler auf der Straße ihren Frust darüber?
Natürlich gibt es auch Leute, die sagen, die Piraten seien zwar interessant, aber sie würden die Partei derzeit nicht wählen, weil sie sich erst noch entwickeln müsse.