Philipp Walulis hat mit seiner medienkritischen Sendung „Walulis sieht fern“ auf einem Kanal angefangen, den kaum einer kennt – jetzt hat er den Grimme-Preis gewonnen.
03.06.2012 - 14:25 Uhr
Herr Walulis, für Ihre Sendung „Walulis sieht fern“ haben Sie gerade den Grimme-preis gewonnen – dabei lief das Format auf einem Sender, den keiner kennt und zu einer Uhrzeit, zu der alle schlafen. Was ist da schiefgelaufen?
Jeder fängt ja mal irgendwo klein an. Und uns hatte das Schicksal eben den Sendeplatz um 0.40 Uhr zugewiesen. Charmant war auch, dass ausgerechnet eine medienkritische Sendung wie die unsere von Erotikwerbung unterbrochen wurde. Ich bin Tele 5 aber immer noch dafür dankbar, dass sie uns eine Bühne gegeben haben.
Richtig bekannt geworden sind Sie zuvor bei Youtube mit einer „Tatort“-Parodie mit dem Titel „Tatort in 123 Sekunden“. Er wurde über 400 000 Mal angeklickt. Glauben Sie, die Jury wäre auch ohne diesen Clip auf Sie aufmerksam geworden?
Der Clip hat entscheidend dazu beigetragen, dass wir überhaupt wahrgenommen wurden. Tele 5 hätte um 0.40 Uhr sonst nur Menschen eingeschaltet, die um diese Zeit Erotikwerbung ohne Programmunterbrechung erwarten. Durch den Film konnten wir uns einen kleinen Stamm von 100 000 Zuschauern aufbauen.
Sie klingen immer noch so, als könnten Sie das mit dem Grimmepreis gar nicht glauben ...
Das ist auch so. Als wir uns darum beworben haben, haben wir gedacht: Wir können es ja mal probieren. Die Nominierung selber war eine Überraschung, vor allem, wenn man die Namen der Konkurrenz gehört hat. Die heute-show. Pastewka. Stromberg. Und neo-Paradise.
Sogar „Tatort“-Kommissare wie Maria Furtwängler haben den Clip mit dem Kurz- „Tatort“ verlinkt. Was hat denn die ARD dazu gesagt?
Gar nichts, die ARD spricht ja auch nicht – oder wenn doch, dann erst, nachdem die Intendanten konferiert haben. Vielleicht können wir in einem Jahr mit einem Statement rechnen.
Der „Tatort“ gilt als heilige Kuh der Fernsehunterhaltung. Was stört Sie denn daran?
Manche Folgen strotzen nur so von oberlehrerhafter Sozialkritik, andere scheinen der Versuch zu sein, sich beim Sundance Filmfestival zu bewerben. Ich persönlich bin auch nicht der größte Fan von Ermittlerteams, die sich über Jahrzehnte nicht weiterentwickelt haben. Umso mehr freue ich mich dann, wenn mit Ulrich Tukur als krebskrankem Ermittler und dem hessischen „Tatort“ mal was vollkommen Neues kommt.
Stimmt das Gerücht, dass Sie Ihren Grimmepreis als Tannenbaum-Spitze verwenden wollen?
Das ist der Plan. Der Sockel ist zwar schwerer als gedacht – er ist aus Marmor – aber wenn man den abflext, könnte man den Rest auf eine Tanne stopfen. Er sieht aus wie ein Stern. Das wäre mal etwas Neues. Warum sollte man so einen Preis auf die Toilette stellen?
Immerhin hat der Preis dazu geführt, dass die Sendung jetzt auf Eins Plus läuft. Sind Sie der neue Oliver Kalkofe – bloß in öffentlich-rechtlich?
Nein. Das würde ich mir nicht anmaßen wollen. Wir kämpfen zwar beide für ein besseres Fernsehen, doch wir unterscheiden uns in der Wahl der Mittel. Oliver Kalkofe ist ätzender. Wir versuchen es dagegen eher mit einem Augenzwinkern.
Aus Respekt vor den Darstellern - oder aus Angst vor Gegendarstellungen?
Weil das meine Art ist. Ich bin eigentlich ein höflicher Mensch. Wir wollen die Leute danach ja auch noch treffen.