InterviewInterview zu WMF „40 Millionen für den WMF-Vorstand“

Von Philipp Scheffbuch 

Der WMF-Großaktionär Andreas Weißenbacher wirft der Geislinger Unternehmensleitung vor, von der WMF-Übernahme durch Finanzinvestoren profitiert zu haben.

WMF-Großaktionär  Weißenbacher glaubt, dass in Geislingen gemauschelt wurde. Foto: BWT
WMF-Großaktionär Weißenbacher glaubt, dass in Geislingen gemauschelt wurde. Foto: BWT

Stuttgart – Im aktuellen WMF-Geschäftsbericht heißt es, dass Vorstand und Aufsichtsrat weniger als ein Prozent der Aktien besitzen. Der Minderheitsaktionär Andreas Weißenbacher hält diese Angabe für falsch. Er behauptet, dass der WMF-Vorstand vom Schweizer Finanzinvestor Capvis vor sechs Jahren mit umgerechnet rund zehn Prozent der Stammaktien ausgestattet wurde.
Herr Weißenbacher, der US-Finanzinvestor KKR hat vom Schweizer Finanzinvestor Capvis gerade 52 Prozent der WMF-Stammaktien übernommen. Nun möchte KKR das Geislinger Unternehmen komplett übernehmen. Sie halten 37 Prozent der Stammaktien, wollen die aber nicht verkaufen. Warum nicht?
Ich glaube an die WMF und denke, dass Finanzinvestoren – egal ob Capvis oder KKR – die Firma WMF primär für Gewinnoptimierung und sich selbst als kurzfristigen Begleiter sehen. Als Mitinhaber und Vorstandschef eines mittelständischen österreichischen Unternehmens bin ich der Überzeugung, dass WMF ein langfristiger Partner besser getan hätte. Capvis und WMF-Vorstand waren da aber anscheinend anderer Meinung.

Was hat der WMF-Vorstand damit zu tun?
Der WMF-Vorstand war und ist maßgeblich daran beteiligt, dass zum zweiten Mal hintereinander ein Finanzinvestor die Mehrheit bei der WMF erlangt hat.

Die Aktionärsmehrheit kann ein Vorstand doch nicht beeinflussen.
Das sollte man glauben. In Geislingen sieht das anders aus. Als die Deutsche Bank, die Württembergische Leben und die Münchner Rück vor sechs Jahren ihr 52-Prozent- Stammaktienpaket zum Verkauf angeboten haben, hat der WMF-Vorstand unter Vorsitz von Thorsten Klapproth von den damaligen Eigentümern großen Einfluss bekommen. Der damalige Vorstand der beim Verkaufsprozess federführenden Münchener Rück, Herr Dr. Heiner Hasford, hatte mir zu diesem Zeitpunkt gesagt, ich müsse den WMF-Vorstand von meinem Angebot überzeugen. Mit Sachargumenten ist mir das als langjähriger mittelständischer Unternehmer erstaunlicherweise nicht gelungen.

Sie haben einen zu geringen Preis geboten?
Nein, daran kann es nicht gelegen haben. Ich habe nachweislich sogar einen um 70 Eurocent pro Aktie höheren Preis geboten als der Schweizer Finanzinvestor Capvis, der dann den Zuschlag bekommen hat. Laut Dr. Hasford war damals das Votum des WMF-Vorstands ausschlaggebend.

Aber wie kann es sein, dass ein Verkäufer auf den Rat eines Angestellten hört, wenn für ihn mit einer anderen Entscheidung ein höherer Verkaufserlös möglich wäre?
Das müssen Sie die Verkäufer fragen.

Warum haben die Verkäufer nicht einfach ein Bieterverfahren eingeleitet und dem Höchstbietenden den Zuschlag gegeben?
Auch das kann ich Ihnen nicht beantworten.

Und warum hat sich der Vorstand gegen Ihr Angebot entschieden.
Mir wurde vom WMF-Vorstand gesagt, ich solle ihm ein Angebot machen.

Was haben Sie gemacht?
Ich habe mein langfristiges unternehmerisches Konzept, meine Geschichte und meinen Arbeits- und Kooperationsstil vorgestellt.

Und?
Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass ich die Frage nicht richtig interpretiert habe.

Inwiefern?
Nun gut. Wie ich glaube, ist der WMF-Vorstand durch Capvis an deren 52-ProzentAnteil mit 20 Prozent beteiligt worden und steigt jetzt im Zuge des Verkaufs aus.