Interview zum Deutschlandradio Qualität im Radio hat ihren Preis

Von Markus Reiter 

Der Deutschlandradio-Intendant Willi Steul und sein Programmdirektor Andreas-Peter Weber plädieren im Interview mit der Stuttgarter Zeitung für einen sanften Fortschritt.

Das Röhrenradio „Ingelen Geographic“ aus dem Jahr 1937.Tradition ist  beim Deutschlandradio wichtig: das Röhrenradio Ingelen Geographic aus dem Jahr 1937 Foto: dpa
Das Röhrenradio „Ingelen Geographic“ aus dem Jahr 1937 .Tradition ist beim Deutschlandradio wichtig: das Röhrenradio Ingelen Geographic aus dem Jahr 1937 Foto: dpa
Stuttgart - Wie viel öffentlich-rechtlichen Rundfunk will sich die Gesellschaft leisten? Diese Diskussion wird sich nach Ansicht des Deutschland­radio-Intendanten Willi Steul noch verschärfen. Mit einer Programmreform bei Deutschlandradio Kultur, die seit einer Woche in Kraft ist, will er sich dafür wappnen. Zusammen mit Programmdirektor Andreas-Peter Weber erläutert Steul seine Pläne für die Zukunft.
Herr Weber, Deutschlandradio Kultur ist ein  erfolgreiches bundesweites Kulturprogramm mit einem hohen Zuspruch bei den Hörern. Warum um alles in der Welt musste dieses Programm jetzt reformiert werden?
Andreas-Peter Weber Wir haben 2012 eine repräsentative Umfrage unter den Hörern der drei Programme des Deutschlandradios, also Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und D-Radio Wissen, mit 4000 Befragten in Auftrag gegeben. Dabei hat sich gezeigt, dass zum einen der Deutschlandfunk eine extrem hohe Hörerbindung hat. Für viele Stammhörer ist er das einzige Radioprogramm, das sie einschalten. Hier besteht also ein klares Profil. Auch Deutschlandradio Kultur genoss der Umfrage zufolge hohes Ansehen bei der Glaubwürdigkeit und bei der journalistischen Kompetenz. Allerdings fanden viele Hörer das Programm unübersichtlich, denn in den langen Magazinstrecken des Vor- und des Nachmittags, dem „Radiofeuilleton“, waren alle Kulturspielarten gemischt. Zugleich kam im Zeitfunk-Magazin „Ortszeit“ so gut wie keine Kultur vor. Das haben wir durch die Programmreform geändert. Und wir haben neue Sendungen entwickelt, die ein Kulturprogramm zieren, zu Philosophie, Theater, Film etc.
Willi Steul Dahinter steht ein strategisches Ziel. Wir müssen für die Zukunft alle drei Programme unverwechselbar machen – und damit unverzichtbar. Ich rechne fest damit, dass sich in den kommenden Jahren die Debatte um die Kosten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verschärfen wird. Die Öffentlichkeit wird auch fragen: Brauchen wir noch so viele Hörfunkprogramme, die durch eine Haushaltsabgabe finanziert werden? Davon wird das Kulturradio nicht verschont bleiben. Für diese Diskussion müssen wir gewappnet sein.
Welche Existenzberechtigung hat also Deutschlandradio Kultur, da doch jede ARD-Anstalt ihre eigene Kulturwelle hat?
Steul Wir verstehen Deutschlandradio Kultur als ein nationales komplementäres Kulturhörfunkprogramm. SWR 2 zum Beispiel berichtet über Kulturereignisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für die Hörer in diesen Bundesländern, seinem Sendegebiet. Wir hingegen berichten aus diesen Ländern für Hörer in Hamburg, München oder Bremen.
Wobei man gelegentlich das Gefühl hat, dass Deutschlandradio Kultur eine arg Berlin-zentrierte Perspektive einnimmt.
Weber Wir sind uns dieses Problems bewusst. Wir werden in Zukunft noch stärker darauf achten, mit Künstlern und Kulturschaffenden aus ganz Deutschland ins Gespräch zu kommen und die politischen und gesellschaftlichen Debatten bundesweit widerzuspiegeln. Auch wollen wir häufiger Beiträge unsere Landeskorrespondenten bei Deutschlandradio Kultur berücksich­tigen. Allerdings ist Berlin unbestritten die   kulturell bedeutsamste Metropole Deutschlands.