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Interview zum Emergenza in Stuttgart Bringt es das überhaupt?

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Am Freitag findet in Stuttgart das Baden-Württembergfinale des Bandwettbewerbs Emergenza statt. Wir haben die Stuttgarter Band Flowers in Syrup, die 2013 bis ins Weltfinale kam, gefragt: Was bringt das Emergenza einer Band? Und wer sollte mitmachen?

Am Freitag findet in Stuttgart das Baden-Württembergfinale des Bandwettbewerbs Emergenza statt. Wir haben die Stuttgarter Band Flowers in Syrup (Bild), die 2013 bis ins Weltfinale kam, gefragt: Was bringt das Emergenza einer Band? Und wer sollte mitmachen? Foto: Foto-Rimmele
Am Freitag findet in Stuttgart das Baden-Württembergfinale des Bandwettbewerbs Emergenza statt. Wir haben die Stuttgarter Band Flowers in Syrup (Bild), die 2013 bis ins Weltfinale kam, gefragt: Was bringt das Emergenza einer Band? Und wer sollte mitmachen? Foto: Foto-Rimmele

Stuttgart - Am Freitag steigt im LKA in Stuttgart wieder das Baden-Württemberg-Finale beim Bandwettbewerb Emergenza. Bei dem seit 1992 ausgetragenen „weltweit größten Newcomercontest“, so die Selbstbeschreibung, kämpfen sich tausende Nachwuchsbands durch diverse Vorrunden. Am Ende steht dann das Weltfinale, das im Rahmen des Taubertal-Festivals ausgetragen wird.

Die Stuttgarter Band Flowers in Syrup schaffte es im vergangenen Jahr auf besagtes Weltfinale – nach Vorrunden im Keller Klub, im Universum, dem Baden-Württemberg-Finale in Stuttgart und dem Deutschland-Finale im Berliner Club Astra.

Sowohl das Publikum als auch die Jurys, die vom Semifinale an mitentscheiden dürfen, trugen das Alternative-/Indie-Trio in die Endrunde. Das war für uns Anlass genug, um beim Schlagzeuger Nico Mania nachzufragen, was das immer wieder als Abzocker-Wettbewerb verschrieene Emergenza ihnen gebracht hat – und welche Bands es bei solchen Veranstaltungen am besten gleich gar nicht versuchen.


Nico, was sind das denn für Bands, die beim Emergenza mitmachen? Alles Streber?
Nico Mania: "Das habe ich mir auch gedacht, und am Ende hat tatsächlich so ein lahmer Pop-Act gewonnen. Beim Taubertal war aber eine bunte Mischung vertreten, von Hardrock aus UK bis zu einer russischen Band im Stile der Rocky Horror Picture Show. Jede Band hatte was Besonderes, und danach suchen die Veranstalter auch. Zumindest in den Vorentscheiden."

Damit man dort auftreten darf, muss man zahlen – richtig?
"Ja, wir können vom Veranstalter Tickets kaufen und geben die dann an unsere Fans weiter. Bei der ersten Vorrunde im Keller Klub haben wir dabei echt Minus gemacht. Im Semifinale im Universum waren dann schon mehr Leute von uns da."

Ist das nicht Abzocke den Bands gegenüber?
"Wenn du in den Vorrunden rausfliegst, wirkt es wie Abzocke: Du hast Geld reingesteckt und hast dafür einen Gig vor ein paar Leuten gekriegt. Wenn man wirklich Aussichten hat, weiterzukommen, wiegt es das natürlich wieder auf. Im Endeffekt finanzieren dir andere Bands den Ausflug aufs Taubertal-Festival."

Für welche Sorte Bands ist das Emergenza dann geeignet?
"Mach das nur, wenn du Geld hast und Leute, die dich supporten. Sonst kämpfst du dich höchstens durch die Vorrunde. Und du brauchst eine gewisse Qualität. Im Baden-Württemberg-Finale im LKA habe ich keine Band mehr gesehen, wo ich gedacht habe: „Geht besser nochmal in den Proberaum“. Man muss sich halt auf den Arsch setzen und was tun. Und eben etwas Besonderes haben. Wobei wir vor der ersten Runde auch gedacht haben, dass unsere Musik bei solchen Wettbewerben nicht gut ankommt. Es kam dann ja doch anders."

Was konntet ihr aus euren Erfolgen beim Emergenza für die Band rausholen?
"Zunächst mal zwei tolle Trips nach Berlin und aufs Taubertal-Festival. Da waren interessante Musiker, und das ist ein tolles Erlebnis für uns als Band. Natürlich fühlt es sich auch gut an, zum Gewinner gekürt zu werden …"

Ein Anreiz für euch, Profimusiker zu werden?
Für solche Ambitionen bringt das Emergenza glaube ich wenig. Dafür musst du dich mit dem Business beschäftigen, dich mit Marketing auskennen. Wir sind auch nach dem Emergenza Hobbymusiker, haben ja bis heute kein Album – weil das zu teuer ist."

Habt ihr also gar nichts aus eurem Emergenza-Erfolg gemacht?
"Für uns war es in erster Linie ein Erlebnis. Uns gab es zu dem Zeitpunkt als Band ja noch nicht sehr lange. Danach dachten wir: weiter geht’s. Logisch nutzt man das als Referenz. Da nehmen ja zigtausend Bands weltweit teil, als Weltfinalteilnehmer kriegt man da von Konzertveranstaltern schon viel Respekt. Aber den meisten Respekt kriegen wir für Youtube-Videos, für unsere Musik."


Das Baden-Württemberg-Finale des Emergenza 2014 findet am Freitag, 11. Juli, im LKA Longhorn in Stuttgart statt. Infos zu den auftretenden Bands gibt es auf der LKA-Website. Infos zu den Vorausscheiden gibt es auf der Emergenza-Website.


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