Höhere Steuern? Stärkere Belastung der Wirtschaft? Die Spitzenkandidatin der Grünen in Baden-Württemberg, Kerstin Andreae, fordert im StZ-Interview Korrekturen am Wahlprogramm ihrer Partei.

StuttgartDie Grünen stimmen an diesem Wochenende auf einem Parteitag in Berlin ihr Programm für die Bundestagswahl ab. Im Vorfeld hat es intensive Auseinandersetzungen über die Besteuerung von Reichen und die Wirtschaftsfreundlichkeit der Partei gegeben.
Frau Andreae, Sie sind für die Bundestagswahl am 22. September Spitzenkandidatin der Grünen in Baden-Württemberg. Warum reden Sie dann die Beschlüsse Ihrer eigenen Partei schlecht?
Das ist ein beliebter Vorwurf an Menschen, die was verändern wollen.

Der Vorwurf des Schlechtredens stammt von Fraktionschef Jürgen Trittin. Er war sehr ungehalten über Ihren Antrag, für das Wahlprogramm der Grünen eine Gesamtschau anzustellen.
Mag ja sein, aber die Gesamtschau haben wir bereits auf einem Parteitag beschlossen. Und das gehört auch ins Wahlprogramm. Mir geht es darum, den Wählern klar zu sagen, dass wir Grüne fordern, aber nicht überfordern werden.

Womit Sie nach Auffassung von Trittin nur den Gegnern der Grünen in die Hände spielen.
Quatsch. Die können doch selber lesen und rechnen. Ich will dem Parteitag nicht vorgreifen, der am Wochenende über das Programm berät und es beschließt. Es zeichnet sich aber ab, dass der Antrag, den ich übrigens mit vielen anderen gestellt habe, Eingang ins Programm findet.

Sie meinen also, den innerparteilichen Kampf gewonnen zu haben?
Darum geht es doch nicht. Diese typischen Berliner Sieger- und Besiegten-Betrachtungen sind, ehrlich gesagt, nicht mein Ding. Mir geht es darum, dass wir den Bürgern klar sagen, was auf sie zukommt – aber eben auch, dass wir selbstverständlich die Gesamtbelastung mit bedacht und die Interessen der Wirtschaft im Blick haben. Wir werden deren Innovations- und Investitionskraft brauchen, insbesondere für die Energiewende, für bessere Infrastruktur und für mehr soziale Gerechtigkeit.

Zwischen Trittin und Ministerpräsident Kretschmann hat es heftigen Krach gegeben, weil Kretschmann die Grünen davor warnte, den Mittelstand in Gefahr zu bringen.
Kretschmann hat gesagt, dass es keine Substanzbesteuerung der Unternehmen geben darf und dass er solchen Gesetzen im Bundesrat nicht zustimmen wird. Das sehe ich genauso und unser Konzept schützt das Substanzvermögen der Betriebe ausdrücklich.