Interview zum Hospitalhof in Stuttgart „Man weiß auch ohne Kreuz, wo man ist“

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Am Sonntag öffnet der neue Hospitalhof. Im Interview erklärt die Leiterin Monika Renninger, wie viel Theologie in einem evangelischen Bildungshaus sein muss.

Monika Renninger orientiert sich auch bei der Gestaltung des Hospitalhof-Programms an klösterlichen Tagesrhythmen. Foto: Achim Zweygarth
Monika Renninger orientiert sich auch bei der Gestaltung des Hospitalhof-Programms an klösterlichen Tagesrhythmen. Foto: Achim Zweygarth
Stuttgart - - Am Sonntag öffnet der neue Hospitalhof. Die Leiterin Monika Renninger sieht sich als Missionarin in einer modernen Stadtgesellschaft. Trotzdem sagt sie, dass ein evangelisches Bildungszentrum auch Raum geben muss für Weltliches. Ein Kreuz findet sich in dem Neubau nicht, dafür viele klösterliche Anklänge. Das reiche, um christlichen Geist zu vermitteln, meint Renninger, die für die Programmgestaltung verantwortlich ist.
Frau Renninger, der Neubau hat mit dem alten Hospitalhof nur noch den Namen gemein. Gilt das auch für das neue Programm?
Das Spektrum des Hospitalhofs ist traditionell weit und reicht von der Theologie über die Naturwissenschaft bis zur Lebenshilfe. Wenn man neu kommt, muss man sich eher fragen, gibt es etwas, das noch nicht gemacht worden ist. Es geht nicht darum, Neues zu erfinden, sondern Akzente zu setzen. Zum Beispiel planen wir eine Veranstaltung zur Medizinethik und ergänzen damit die Angebote, die zur Neurowissenschaft gemacht wurden.
Also gut: Welche Akzente setzen Sie, Frau Renninger?
Ich habe eine Reihe eingeführt, die sich „Hospitalhof Aktuell“ nennt und die es uns möglich macht, schnell zu reagieren. Normalerweise haben wir einen Vorlauf von einem halben Jahr für unser Programm, dann passiert irgendetwas und wir schauen zu. Das ist jetzt anders. Wir konnten deshalb zum Beispiel eine Veranstaltung zum Familienpapier der evangelischen Kirche machen, als dieses für Diskussionen sorgte.
Das Spektrum des Hospitalhofs ist weit. Ein Seminar zur Büroorganisation steht neben einer Veranstaltung zur Partnersuche und einem Kurs in orientalischem Tanz. Wie profan darf ein evangelisches Bildungszentrum sein?
Wir pflegen einen weiten Bildungsbegriff und das ist gut so. Der Hospitalhof ist ein offenes Haus, und ich finde es auch wichtig, dass man hier alle Themen behandeln kann. Natürlich sehe ich auch, dass wir damit eine Ansammlung an Veranstaltungen bekommen. Aber zur Persönlichkeitsbildung gehört zum Beispiel auch die berufliche Weiterbildung.
Yoga in der Mittagspause auch?
Wir knüpfen nicht nur mit der Architektur an klösterliche Traditionen an. Wir werden mit einem Morgengebet starten, danach gehen die Menschen zur Arbeit. Zur Mittagszeit bieten wir Yoga-Kurse an. Die Menschen brauchen Pausen, Zeiten für körperliche Regeneration und die wollen wir ihnen bieten. Das ist ein Signal, das wir als Hospitalhof geben können: Der Mensch braucht Rhythmen. Wenn die Hospitalkirche saniert ist, dann werden wir über Mittag auch geistliche Angebote machen.

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