InterviewInterview zum Lückenschluss „Die Gefahr einer Ersatzautobahn sehe ich nicht“

Von Kathrin Klette 

Die Renninger Ostanbindung wird gerade diskutiert. Wie steht es sonst um das Projekt Lückenschluss? Ein Interview mit Jürgen Holzwarth vom Regierungspräsidium.

„Im Alltag sind die Bundesstraßen als Alternativroute nicht attraktiv, wenn die A 81 erst mal ausgebaut ist“, sagt Jürgen Holzwarth. Foto: /Holger Leicht
„Im Alltag sind die Bundesstraßen als Alternativroute nicht attraktiv, wenn die A 81 erst mal ausgebaut ist“, sagt Jürgen Holzwarth. Foto: /Holger Leicht

Renningen - Um den Lückenschluss bei Renningen – die Verbindung der beiden Bundesstraßen B 295 und B 464 – ist es in den öffentlichen Diskussionen eher ruhig geworden. Nur in einem Punkt wird noch heiß diskutiert: Wie soll die Anbindung der B 295 an die Leonberger Straße im Osten Renningens aussehen? Wir haben mit Jürgen Holzwarth vom Regierungspräsidium Stuttgart über diesen Aspekt und über den allgemeinen Stand des Großprojekts gesprochen.

Herr Holzwarth, eine Frage, die sich bis heute viele stellen: Warum gibt es überhaupt dieses Provisorium zwischen der B 295 und der B 464? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, diesen Übergang gleich richtig zu planen und auszugestalten?

Heute ist die Situation eine ganz andere als bei der Planung der B 464. Man kann daher vom heutigen Standpunkt aus nicht beurteilen, was der eine oder andere damals hätte wissen müssen. Die B 464 vor Renningen wurde zwar erst vor Kurzem fertiggestellt, die Pläne dafür wurden aber größtenteils bereits vor 30 Jahren erstellt. Mit den Entwicklungen, wie wir sie heute kennen, konnten die Planer damals noch überhaupt nicht rechnen. Die B 295 in der heutigen Form gibt es auch erst seit den Neunzigern. Es war deshalb richtig, vor der Fertigstellung der B 464 die Situation noch mal zu überdenken und zu sagen: Wir können diese Straße vor Renningen nicht einfach enden lassen, wir brauchen einen richtigen Übergang der Bundesstraßen. Uns war aber zu dem Zeitpunkt schon klar, dass das ein langwieriges Projekt werden würde. Darum hat man zunächst das Provisorium gebaut, wie wir es heute kennen, damit der Verkehr dort sicher fließen kann. Gleichzeitig haben die Planungen für den endgültigen Lückenschluss begonnen.

Bis auf die Diskussionen um die Anbindung Renningen-Ost ist es aktuell recht ruhig um das Projekt geworden, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Wird am Lückenschluss aktuell überhaupt gearbeitet oder pausiert das Projekt?

Da wird nicht pausiert. Wir haben der Stadt Renningen und dem Landkreis Böblingen versprochen, dass wir die Planungen so vorantreiben, dass nach dem Ausbau der A 81 direkt mit dem Ausbau des Lückenschlusses angefangen werden kann. Die Zeit bis dahin ist also keine verlorene Zeit. Der nächste Schritt ist die Erstellung des Vorentwurfs, bei dem die Vorzugsvariante des Lückenschlusses detailliert ausgearbeitet wird.

Wie ist der aktuelle Stand beim Ausbau der A 81?

Die Planung wurde vom Land an die Deges übergeben (Die Deges ist eine Projektmanagementgesellschaft, die komplexe Verkehrsinfrastrukturprojekte umsetzt. Gesellschafter sind zwölf Bundesländer. Anm. d. Red.). Den aktuellen Zeitplan der Deges kennen wir noch nicht, wir gehen aber weiter von einer Verkehrsfreigabe im Jahr 2026 aus.

2026 – das ist noch ziemlich weit weg. Werden Sie den Abschluss des Lückenschlusses als Amtsleiter überhaupt noch erleben?

Nein, ich bin inzwischen über 60.

Und wenn der Lückenschluss vor dem Ausbau der A 81 gekommen wäre? Wer das Projekt verzögert hat, darüber gehen die Meinungen der Beteiligten ja bis heute weit auseinander.

Dann wahrscheinlich schon. Bautechnisch ist das Ganze keine große Herausforderung, selbst Brückenbauten sind heutzutage keine große Kunst mehr. Der Bau wird sicher in ungefähr zwei Jahren erledigt sein. Aber die Planung dauert eben ihre Zeit.