Interview zum RTL-Dschungelcamp „Wir haben wahnsinnig viel Freiheit“

Von Antje Hildebrandt 
Das „ Dschungelcamp“ gilt als Königsdisziplin für Gag-Autoren. Woran liegt das?
Vielleicht haben wir es dazu gemacht. 22 Nachtschichten am Stück zu kloppen, das ist schon körperlich eine Herausforderung. Das Tolle am Dschungel aber ist: Wir haben wahnsinnig viel Freiheit, weil uns der RTL-Redakteur vor Ort, Markus Küttner, einfach machen lässt. Der hat eben Cojones, wie man so schön sagt.
Eier, auf gut deutsch. Aber die räumliche Distanz zur RTL-Zentrale in Köln kommt ihm auch entgegen, oder?
Ja, wenn man schon 16 000 Kilometer entfernt ist, wird sich ein Vorgesetzter überlegen, ob sich die Mühe lohnt, nachts um drei Uhr in Australien anzurufen.
Heißt das, Sie und Ihr Kollege Oliver Haas genießen hundertprozentige Narrenfreiheit?
Nein, Küttner greift natürlich schon an der einen oder anderen Stelle ein, und das ist auch in Ordnung, weil auch wir dann und wann eine Supervision brauchen können.
Sonja Zietlow hat in einem Interview gesagt, mit dem Erotikmodel Micaela Schäfer sei man 2012 eine Spur zu hart umgegangen. Den Schuh müssen Sie sich anziehen, oder?
Ja, wobei die Moderatoren keine Handpuppen sind. Die haben eine eigene Haltung zu den Kandidaten. Wenn die etwas anders sehen als die Autoren, dann äußern sie das auch. Und das ist gut so. Bei anderen Moderatoren würde ich mir dagegen wünschen, dass ihnen das Mitspracherecht pauschal verwehrt wird.
Ein Seitenhieb auf die Moderationstexte von Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn in der Konkurrenz-Show „Promi Big Brother“ (Sat.1) ?
Warum Konkurrenz? Und welche Texte? Es gab ja gar keine. Die Moderatoren haben ja improvisiert. Eine bessere Werbung für das „Dschungelcamp“ hätten wir uns nicht wünschen können. „Promi Big Brother“ war ein einziger Imagefilm für die Autorengilde.
Sie sind bei Facebook und Twitter aktiv. Nutzen Sie das auch, um Pointen zu testen?
In erster Linie nutze ich sie, um meine angeborene Profilneurose auszuleben. Aber tatsächlich eignen sich die Netzwerke auch gut, um zu testen, welche Gags funktionieren. Beide sind ein guter Seismograph für die Stimmungslage im Land. Wir nutzen die Detektoren der Schwarm-Intelligenz.
Besteht da nicht die Gefahr, dass Sie sich dem Massengeschmack anbiedern?
Ja, wobei mein Kollege Olli Haas und ich arrogant genug sind zu denken, dass wir im Zweifelsfall schlauer sind als unsere 5000 Facebook-Freunde.