InterviewInterview zum Thema Doping "Sportbetrug muss ein Straftatbestand sein"

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Der Ex-Stabhochspringer, Günther Lohre, über die deutsche Dopingvergangenheit, Maßnahmen gegen den Betrug und die öffentliche Wahrnehmung.

Doping - ein in jeder Sportart unliebsames Thema, so auch in der Leichathletik. Günther Lohre, der Vizepräsident des DLV, und ehemaliger Stabhochspringer, nimmt sich diesem Tham dennoch an. Foto: dpa 2 Bilder
Doping - ein in jeder Sportart unliebsames Thema, so auch in der Leichathletik. Günther Lohre, der Vizepräsident des DLV, und ehemaliger Stabhochspringer, nimmt sich diesem Tham dennoch an. Foto: dpa

Stuttgart - Es ist nicht das Lieblingsthema von Funktionären: Doping. Einige wiegeln ab, andere sind genervt, und die meisten finden, dass dem Aspekt zu viel Raum eingeräumt wird. Günther Lohre sieht das anders. Der ehemalige Weltklasse-Stabhochspringer und heutige DLV-Vizepräsident spricht so offen wie nur wenige über das Thema, sobald das Wort fällt.

Herr Lohre, wir würden gerne über die Leichtathletik und auch über Doping reden.

Klar, ist ja ein Riesenthema, vor dem wir uns nicht verstecken dürfen. Es ist aktueller denn je. Letztens habe ich die Schwimm-WM angeschaut, und bei all den Vorgängen dort hat mich das ein wenig an die Leichtathletik vor 30 Jahren erinnert. Ich habe bisweilen das Gefühl, dass die Verantwortlichen in einigen Sportarten froh sind, dass sie nichts entdecken und so sagen können, bei ihnen ist alles in Ordnung.

Wer nicht kontrolliert, hat keine positiven Fälle und damit kein Dopingproblem?

So kann man das sagen. In einigen Sportarten befindet sich der Antidopingkampf auf einem beschämenden Niveau. Man findet, was man finden will. Oder man will erst gar nichts finden. Schauen Sie sich mal den Fußball an. Wenn der "Kaiser" sagt, Doping bringt nichts, dann ist es halt so. Basta!

Wobei es wohl nur wenige gibt, die glauben, dass im Fußball nicht auch gedopt wird.

Aber eine ernsthafte Debatte gibt es nicht. Vielen Höchstleistungen im Schwimmen, im Nordischen Skisport oder in der Leichtathletik, wird dagegen kaum noch Glauben geschenkt. Es ist eine Art Doppelsport entstanden, was man im Radsport eindrucksvoll sieht. Wir freuen uns nur halb über ein Ergebnis, weil die nächste Frage ist: Ist der wohl sauber? Diese Frage stiehlt den Menschen die spontane Freude. Allein schon deshalb ist man gut beraten, Betrug mit allen Mitteln zu bekämpfen, sonst verliert er seine Existenzberechtigung.

Was also tun?

Den Verdacht gibt es allerorten, das Problem ist, dass man Beweise vorlegen muss. Und das ist schwer, solange sich die Fahndung in Dopingkontrollen bei den Athleten erschöpft. Wir brauchen deshalb endlich den Straftatbestand Sportbetrug.

Viele Sportverbände meinen, dass man die Probleme selbst am besten lösen könne.

Kann er das wirklich? Wer glaubwürdig gegen die Hydra Doping kämpfen will wie der Deutsche Olympische Sportbund, sollte jede Hilfe annehmen, die er bekommen kann. Der zentrale Punkt sind die Möglichkeiten mit einem Gesetz, diese Straftaten aufzudecken. Bisher ist es doch so: die Athleten werden gesperrt, die Drahtzieher bleiben weiter im Geschäft. Man braucht deshalb ein Gesetz, um endlich die Hintermänner drakonisch bestrafen zu können.

Sie propagieren sauberen Sport. Was macht Sie so sicher, dass es im DLV sauber zugeht?

Ich habe eben den Eindruck, dass wir da gut dastehen. Ich kann mich auch täuschen. Wenn wir morgen drei Dopingfälle haben, habe ich ein Problem. Aber dann ist das nicht mehr mein Sport. Ich kann nicht für jeden die Hand ins Feuer legen, aber wie gesagt: Ich denke, dass wir gut aufgestellt sind. Deshalb müssen wir die Frage beantworten, wie wir Medaillen ohne Doping holen. Wir sind davon überzeugt, dass wir noch viel Potenzial haben, indem wir intelligenter trainieren, neue Trainingsformen entwickeln und alle Bereiche von der Leistungsentwicklung, der Gesundheitsbetreuung bis hin zur Regeneration auf Wettbewerbsvorteile hin optimieren. In einigen Bereichen gelingt uns das bereits, insgesamt ist das natürlich ein langer Weg.