Interview zum Varieté Verägerung über die Reaktion der Stadt

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Die ersten Reaktionen aus der Stadt auf die Pläne der PDI waren aber durchweg positiv. Der Baubürgermeister Matthias Hahn, die Fraktionschefs der Grünen und der SPD, Peter Pätzold und Roswitha Blind, sprachen von einem interessanten Vorschlag. Wie werten Sie das?
Frenzel Ich habe mich schon ein bisschen geärgert, aber was hätten sie denn sagen sollen: Blöde Idee? Der kulturpolitische Sprecher der CDU, Jürgen Sauer, wollte sich erst mal nicht weiter äußern. Ich glaube, die sind alle in der Habachtstellung. Auch wenn mit uns noch keiner gesprochen hat, weiß ich, dass das einige auf der Bürgermeisterebene kritisch betrachten. Bevor der Herr Düsterdick (der Geschäftsführer der PDI, Mathias Düsterdick, Anmerkung d. Red.) nicht rauslässt, was Sache ist, bleibt das für mich eine Luftnummer. Aber wenn man das wirklich ernsthaft in Erwägung zieht, sehe ich die Stadt gefordert zu erfahren, um was es sich handelt und dann genau abzuwägen.

Grundsätzlich aber kann man es schon begrüßen, wenn neues Leben in die Villa Berg einkehrt?
Frenzel Ja, sicher, aber so wie es jetzt ist, liegt dies auch in der Verantwortung des SWR. Hätte man vor zwanzig Jahren peu à peu saniert und das Objekt nicht verlottern lassen, hätte man jetzt kein Grab. Ich wundere mich, dass das für einen Investor überhaupt interessant ist. Aber Herr Düsterdick hat ja ein Rücktrittsrecht . . .Warum macht man nicht ein Bürger- oder Werkstatthaus? Die Bewohner im Osten haben keinen Bedarf an einem Schickimickiladen.
Sun Wenn eine neue Spielbühne eröffnet wird, muss man doch erst einmal schauen: Wie viel Kulturpublikum gibt es eigentlich? Die Stadt Stuttgart zählt 26 Bühnen auf, wobei die Staatstheater als eine gerechnet werden. Und es heißt, dass im Monat im Schnitt 700 Vorstellungen gegeben werden, davon 35 Premieren. Dann ist doch klar, dass das nicht nur wir spüren, sondern auch ein Renitenztheater oder ein Theaterhaus, wenn die Leute sagen: Oh, Villa Berg, das müssen wir uns mal angucken! Im Grunde genommen würde dann also auch von subventionierten Häusern Publikum abgezogen. Und trotzdem hatte ich den Eindruck, dass die Stadt über so ein neues mögliches Angebot erst einmal begeistert war wie ein kleines Kind.

Auch ohne zweites Varieté ist die Konkurrenz – Stichwort Palazzo – schon groß, oder?
Frenzel Dieses Jahr ist der Palazzo nicht so ins Gewicht gefallen, aber natürlich: jetzt ist das Frühlingsfest da, dann kommt ein Zirkus, der Fischmarkt, das Stadtfest, Weindorf, Volksfest, noch ein Zirkus, der Palazzo, der Weltweihnachtscircus, Salomé . . . Das Traumtheater will jetzt auch jedes Jahr kommen. Und das hat sich letztes Jahr schon auf unseren Betrieb ausgewirkt. Wenn Salomé zwei Monate da ist und der Palazzo fast vier, dann fehlen uns von dem, was wir bräuchten, einfach zehn Prozent.

Wie hoch ist denn die Auslastung bei Ihnen übers Jahr?
Frenzel Das schwankt so zwischen 60 und 65 Prozent, und die müssen auch sein. Besonders zwischen Oktober und Februar muss die Auslastung stark sein, das ist ganz wichtig. Jetzt hatten wir fast jeden Tag drei viertel voll, das war sehr gut für April. Dann aber kommt der Juni – und die Fußball-EM. Da machen wir zu, denn da geht gar nichts. Wir hangeln uns jedes Jahr so einigermaßen durch.

Aber Sie hatten auch schlechte Jahre?
Sun Vor drei Jahren hatten wir ein ganz schlechtes Jahr. Auch wenn eine Show gut läuft von den Einzelkunden her, kann es nicht ausgleichen, wenn uns die Galas wegbrechen, weil die Firmen sagen, wir können gerade nicht. Dann wird’s ganz eng.

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