Interview zum Varieté Vom Kind bis zum Senior: Buntes Publikum im Varieté

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Erfahren Sie grundsätzlich genug Unterstützung aus der Stadt, etwa auch als Touristenattraktion durch Aktionen der Stuttgart Marketing GmbH?
Frenzel Aber sicher. Die Kulturgemeinschaft hat uns im Verkauf, wir haben eigentlich einen guten Stand, ein gutes Image und insofern keine Sorge, dass man uns das Wasser abgräbt. Ich denke schon, wenn es wirklich ernst werden würde, dass die Politiker noch einmal drüber nachdenken. Auch ein Matthias Hahn war schon hier bei uns, oder eine Frau Blind oder Frau Wüst. Und natürlich Herr Schuster.

Wie sieht denn der klassische Varietébesucher aus?
Frenzel Das Publikum ist total bunt: vom Kind bis zum . . . Unserer ältester Gast ist 97. Der kommt seit zwanzig Jahren in jede Show. Und wir haben Kinderprogramme im Winter, das Clownsprogramm war so ein richtiges Familienprogramm. Wir wollen ja auch eine Rundumunterhaltung für alle bieten.

Ist es nicht schwierig, alle zwei, drei Monate neue Ideen zu finden, mit denen man das Publikum begeistern kann?
Sun Die Ideen sprudeln nach wie vor. Und ich lerne dazu nach dem Prinzip: Evolution statt Revolution. Ich möchte den Leuten nicht irgendwas vor die Nase knallen, aber ein bisschen was mitgeben schon. Das muss nicht immer nur die leichte Muse sein.

Aber kommt es nicht zwangsläufig zu Wiederholungen, weil die Ausdrucksmöglichkeiten in der Artistik begrenzt sind? Immer wieder die Jonglage, die Equlilibristik, die Nummer unter der Kuppel. Und ist das Angebot an Künstlern groß genug?
Sun Einspruch, dann wäre die Oper ja genau so beschränkt. Jede Theaterform arbeitet mit Grundformeln. Und was die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der verschiedenen Künstler angeht: oft erreichen uns Hilferufe von Leuten, die gerade keinen Job haben, andere hören aus Altersgründen auf. Es findet derzeit ein Generationswechsel statt, und es herrscht nicht mehr dieses Muster vor, wie dies in den ­90er Jahren war. Bei uns müssen sich die Künstler auf etwas Neues einlassen, vielleicht auch in einem anderen Kostüm zu anderer Musik, weil sie nicht nur ihre Nummer machen und dann noch mal kurz zum Finale auf die Bühne kommen. Wir sind ein Team – und zum Abschied gibt es oft viele Tränen.

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