InterviewInterview zur Corona-Krise „Die Vereinsamung hat erst später richtig angefangen“

Von Felix Heck 

Beim Sorgentelefon der Stadt Filderstadt finden Menschen Gehör, die unter der sozialen Isolation besonders stark leiden. Wer ruft da eigentlich an?

Kontakthalten und Kontaktsuchen, das ist wichtig in der Corona-Krise. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Kontakthalten und Kontaktsuchen, das ist wichtig in der Corona-Krise. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Filderstadt - In der Corona-Krise steigt die Angst vor Vereinsamung sprunghaft an. Gerade ältere Menschen sind davon betroffen; die Besuche der Enkel fehlen, aber auch ohne das Seniorencafé am Nachmittag klafft im Alltag eine Lücke. Helfen können Serviceangebote wie das der Stadt Filderstadt: Die Kommune bietet seit vielen Jahren einen Sozialen Dienst, der sich der Probleme der Bürger annimmt. Die Amtsleiterin Heike von Broock berichtet von ihrer Arbeit in Zeiten von Corona.

Frau von Broock, mit welchen Sorgen sehen Sie und Ihr Team sich in der Corona-Krise konfrontiert?

Das ist zweigeteilt: Zum einen rufen unsere Klienten an, um die Dinge weiterzuführen, an denen wir mit ihnen ohnehin schon gearbeitet haben. Zum anderen haben wir jetzt aber auch spezifische Anfragen mit Hinblick auf Corona: Gerade in der älteren Generation gibt es einige, die sonst stärker sozial aktiv waren und denen nun viele Möglichkeiten gekappt wurden. Diese Menschen haben auf psychischer Ebene deutlich mehr Probleme, mit der Krise klarzukommen.

Wie können Sie den Menschen über das Telefon helfen?

In Filderstadt haben sich in letzter Zeit viele Programme entwickelt, auf die wir gerne verweisen. Zum Beispiel gibt es unter dem Hashtag #Filderstadthilft einen kostenlosen Einkaufsdienst, an den sich ältere Menschen wenden können. Seit Ostermontag gibt es auch ein Sorgentelefon der Gemeinde Filderstadt, das jeden Tag von 9 bis 14 Uhr erreichbar ist. Die Möglichkeiten sind wirklich breit gefächert: Sogar private Telefonketten haben sich gebildet.

Was lässt sich ansonsten noch gegen die drohende Einsamkeit der Menschen unternehmen?

Die nahe liegendste Antwort ist tatsächlich die beste: Am ehesten hilft es, Kontakt aufzubauen. Natürlich ist das aktuell nur eingeschränkt möglich, weil er nur über die sozialen Medien oder Telefonate erfolgen kann. Aber auch das hilft. Darüber hinaus sollte man versuchen, sich an eine klare Tagesstruktur zu halten. Auch in einer Zeit, in der die Normalität so ausgehebelt ist, kann ein fester Zeitplan schon viel helfen. Als letzte Maßnahme gegen die Einsamkeit empfehle ich, sich eine Beschäftigung zu suchen. Das kann alles Mögliche sein: Familienalben durchsehen, Bilder machen, Häkeln – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Aktuell weiß niemand genau, wie lange die Zeit der sozialen Isolation andauern wird. Ab wann kann so ein Shutdown denn gefährlich werden für die Psyche?

In der ersten Woche haben die meisten die Situation noch hingenommen, die Vereinsamung hat erst mit der zweiten Woche so richtig angefangen. Wenn ich das jetzt mal hochrechne, dann wird es in vier Wochen sicherlich deutlich mehr Menschen geben, die mit dieser Situation zu kämpfen haben. Aber auch wir können nicht sagen, wann genau ein Anstieg stattfinden wird.

Wie man das Sorgentelefon erreicht

Das neue Sorgentelefon der Stadt Filderstadt ist von Montag bis Freitag zwischen 9 und 14 Uhr unter folgender Telefonnummer zu erreichen: 0711/7 00 31 60. Der Soziale Dienst in Filderstadt ist außerdem unter dem Festnetzanschluss 0711/7 00 33 60 erreichbar.




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