Interview zur S-Bahn Stuttgart „Im Tunnel zählt wirklich jede Sekunde“

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Gestrandete Züge, klemmende Schiebetritte, zu langsam schließende Türen, verpasste Anschlüsse, wütende Fahrgäste: Im StZ-Interview äußern sich Hans-Abrecht Krause von der DB Regio AG und Christian Becker von der DB Netz AG zum Sanierungsfall S-Bahn.

Den ET 430 hält der S-Bahn Chef Hans-Albrecht Krause  als Modell in der Hand. Er und Christian Becker, Leiter DB Netz AG,  hoffen, dass die echten neuen S-Bahnen bald problemlos verkehren werden. Foto: Achim Zweygarth
Den ET 430 hält der S-Bahn Chef Hans-Albrecht Krause als Modell in der Hand. Er und Christian Becker, Leiter DB Netz AG, hoffen, dass die echten neuen S-Bahnen bald problemlos verkehren werden. Foto: Achim Zweygarth
Stuttgart – Gestrandete Züge, klemmende Schiebetritte, zu langsam schließende Türen, verpasste Anschlüsse, wütende Fahrgäste: Im StZ-Interview äußern sich Hans-Abrecht Krause von der DB Regio AG und Christian Becker von der DB Netz AG zum Sanierungsfall S-Bahn.
Herr Becker, Herr Krause, warum kommen viele S-Bahn-Pendler nicht pünktlich an?
Krause Die S-Bahn befindet sich in einem komplexen Umfeld des Eisenbahnverkehrs in der Region. Der Zugverkehr hängt von vielen Faktoren ab, die sich auf den Betrieb aller S-Bahnlinien auswirken. Die ersten fünf Monate des Jahres waren für mich zufriedenstellend. Da waren wir bei der Fünf-Minuten-Pünktlichkeit immer über 96 Prozent. Wir hatten aber einen sehr schlechten Juni, für den es klare Ursachen gibt. Inzwischen sind wir wieder besser unterwegs. Am vergangenen Donnerstag und Freitag lag der Pünktlichkeitswert bei über 99 Prozent.

Was waren die Ursachen für den Einbruch im Juni ?
Krause Das war eine große Baustelle auf der Linie S 6 in Korntal, die leider nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt haben. Das hat uns erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Gleichzeitig hatten wir – was vorher noch nie der Fall war – 17 Störungen in der Leit- und Sicherungstechnik unter anderem durch die große Hitze von mehr als 35 Grad. Außerdem sind drei neue S-Bahnen vom Typ ET 430 im Linieneinsatz mit Fahrgästen auf der Stammstrecke zwischen Schwabstraße und Hauptbahnhof liegen geblieben. Das hatte dramatische Auswirkungen auf die Pünktlichkeit. Und wir hatten weitere sieben Störfälle durch Einwirkungen Dritter und durch Unwetter. Das alles hat uns im Juni beim Thema Pünktlichkeit um sieben bis zehn Prozentpunkte zurückgeworfen. Das ist absolut unbefriedigend, aber das war von uns fast nicht beeinflussbar.

Zwei heiße Tage – und dann gibt es gleich 17 Ausfälle bei der Technik?
Becker Nein, eine Juniwoche war geprägt durch das Baustellenproblem bei Korntal, eine andere durch die Ausfälle wegen der hohen Temperaturen.

Sind die Ausfälle auf mangelnde Wartung und veraltetes Material zurückzuführen, weil die Bahn wegen Stuttgart 21 in die bestehenden Anlagen nicht mehr investiert?
Becker Nein, wir haben nicht gespart, sondern in diesem Jahr sogar ein Präventionsprogramm aufgelegt. Bis 2017 wollen wir im Land und in Stuttgart acht Milliarden Euro investieren. Es gibt im Streckennetz keinerlei Abstriche bei der Wartung. Fakt ist: Wir liegen bei der Pünktlichkeit bundesweit mit an der Spitze. Wir sollten das S-Bahn-System auch nicht schlechtreden.

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