Interview zur WMF „Diese Solidarität ist nichts wert“

Jürgen Peters fragt sich, hinter wem der Landrat eigentlich steht. Foto: privat
Jürgen Peters fragt sich, hinter wem der Landrat eigentlich steht. Foto: privat

Der Sparkassenkredit an den Finanzinvestor KKR zur Übernahme der WMF in Geislingen steht weiter in der Kritik. Er könne die Ehrenerklärung des Kreistags für die Bank nicht nachvollziehen, sagt der Betriebsrat Jürgen Peters im StZ-Interview.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
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Geislingen - Eine Dreiviertelstunde hat der Vorstand der Kreissparkasse den Göppinger Kreistag hinter verschlossenen Türen über die Kredtivergabe an den Finanzinvestor KKR informiert. Danach stand für die Mehrheit des Kreistags fest, dass der Bank kein Vorwurf wegen der drohenden Massenentlassungen bei der WMF zu machen ist. Der Betriebsrat Jürgen Peters (57) kann das nicht nachvollziehen.

Der Kreistag sagt, die Kreissparkasse hat beim WMF-Deal alles richtig gemacht. Glauben Sie das auch?
Nein. Die Kreissparkasse sagt, es gibt ein Bankgeheimnis und sie könne nur das rausgeben, was nicht unter dieses Geheimnis fällt. Das heißt, auch der Kreistag erfährt nicht die ganze Wahrheit, sondern nur etwas Vorgesetztes. Dass die Kreissparkasse versucht, sich da gut darzustellen, liegt ja in der Natur der Sache.
Was halten Sie dann von der Ehrenerklärung des Landrats Edgar Wolff für die KSK?
Ich bin enttäuscht. Landrat Wolff hat uns, der Belegschaft doch den Rücken gestärkt und erklärt, er stehe hinter den Beschäftigten. Jetzt frage ich mich, wo steht er eigentlich: hinter uns oder hinter der KKR und dem Vorstand?
Was ist Ihnen die einstimmige Solidaritätserklärung des Kreistags noch wert?
Das habe ich gerade deutlich gemacht: eigentlich nichts.
Es heißt, die Kreissparkasse habe eine Bestandsgarantie für den Standort Geislingen in die Kreditverträge geschrieben. Müssten Sie der KSK nicht dankbar sein?
Sollte es eine Bestandsgarantie für den Standort Geislingen in den Kreditverträgen geben, sollten wir uns die Frage stellen, für wen diese gilt und wem sie überhaupt nutzt.Eine Standortsicherung sagt nichts über die Anzahl der zukünftigen Arbeitsplätze aus. Selbst wenn nur noch der Vorstand in Geislingen sitzt, bleibt der Standort erhalten. Wir brauchen aber eine Beschäftigungsgarantie, Investitionen und Produktionsperspektiven an allen Standorten der WMF Group und keine Verlagerung der Arbeitsplätze. Wenn das Inhalt der Vereinbarung zwischen der KSK und KKR ist, dann wären wir sehr dankbar dafür. Die Realität steht aber dazu in einem krassen Gegensatz.
Wie ist die Stimmung in Geislingen und bei den WMF-Beschäftigten gegenüber der Kreissparkasse?
Mit mir sprechen viele Leute innerhalb der WMF und in Geislingen. Diese Leute wundern sich alle und verstehen das nicht und sagen: Da muss eigentlich eine Reaktion her. Wir sind auch dran und sagen: lasst uns überlegen, welche Möglichkeiten es gibt?
Nämlich?
Ich werde jetzt nicht alles herausholen, was wir in der Schublade haben. Wir haben am Montag ein Gespräch mit Herrn Teufel. . .
. . .dem Vorstandschef der Kreissparkasse,
. . .der hat uns jetzt eingeladen, und das werden wir abwarten. Deshalb werde ich nicht schon vorher sagen, welche Maßnahmen wir uns vorstellen können.
Haben Sie persönlich Ihr Konto noch bei der Kreissparkasse?
Ja und die Betonung liegt auf „noch“.



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