Interview zur Zypernkrise „Eine Kettenreaktion vermeiden“

Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing hält den Schaden für den Euroraum im Falle einer Pleite Zyperns  für begrenzbar. Foto: StZ
Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing hält den Schaden für den Euroraum im Falle einer Pleite Zyperns für begrenzbar. Foto: StZ

Ein möglicher Zusammenbruch Zyperns könnte auf griechische Banken ausstrahlen. Der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing hält die Folgen einer zyprischen Pleite aber für beherrschbar.

Berliner Büro: Roland Pichler (rop)
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Berlin- Nach der Meinung des Bundestagsabgeordneten Volker Wissing (FDP) könnte ein möglicher Zusammenbruch Zyperns auf griechische Banken ausstrahlen. Der Schaden bliebe aber begrenzt. Griechenland ist durch den Eurorettungsschirm geschützt.
Herr Wissing, ist Zypern ein Risiko für die gesamte Eurozone?
Spareinlagen in Deutschland sind in keiner Weise gefährdet. Wir haben eine verlässliche Einlagensicherung, für die die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer guten Bonität bürgt. Gleichwohl ist Zypern ein Land innerhalb unserer Währungszone, weshalb wir Interesse daran haben, das Land wieder auf solide Grundlagen zu stellen.

Was passiert, wenn Zypern die Bedingungen der Troika nicht erfüllt und die Europäische Zentralbank (EZB) von Dienstag an dem Inselstaat kein Geld mehr zur Verfügung stellt?
Die EZB hat angekündigt, dass die Liquiditätsversorgung zyprischer Banken am Dienstag eingestellt wird, wenn bis dahin kein Hilfskonzept beschlossen wird. Das bedeutet, dass zyprische Banken in Insolvenz geraten und abgewickelt werden müssen. Das hat wiederum zur Folge, dass die Bürger in Zypern die Einlagen bei den betreffenden Banken nicht mehr abheben können. In diesem Augenblick greift die Einlagensicherung, deren Wert von der Leistungsfähigkeit des zyprischen Staates abhängt.

Der Staat Zypern ist eng verwoben mit den dortigen Banken. Steigt somit das Risiko, dass auch Zypern bald pleite ist?
Zypern hat heute bereits keinen Zugang mehr zu den Finanzmärkten. Das Land kann in der jetzigen Lage keine Mittel mehr am Kapitalmarkt aufnehmen. Wenn es kein Hilfspaket gibt, kann Zypern seine Verpflichtungen gegenüber der Bevölkerung nicht mehr erfüllen.

Ist es möglich, ein kleines Land wie Zypern aus der Eurozone zu entlassen, ohne dass dies Folgen für den Rest der Eurozone hätte?
Für sich genommen ist das Risiko Zypern beherrschbar. Die Folgen einer Bankeninsolvenz in Zypern würden in erster Linie die Bevölkerung in dem Land hart treffen. Deshalb versucht die Troika mit unserer Unterstützung dieses Szenario abzuwenden. Eine Bankeninsolvenz in Zypern könnte auch Auswirkungen auf Banken in Griechenland haben. Aus meiner Sicht kann die Eurozone dieses Problem lösen.

Die zyprische und die griechische Wirtschaft sind eng verbunden. Griechenland befindet sich bereits unter dem Rettungsschirm. Schützt das vor einer Ausweitung der Zypernkrise?
Entscheidend ist, dass wir eine Kettenreaktion vermeiden. Dies lässt sich mit Hilfe der bestehenden Rettungsschirme gut verhindern. Um Deutschland mache ich mir keinerlei Sorgen.




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