Inversion-Festival in der Marienkirche Die Kirche als Bühne für die Kunst

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Zum zweiten Mal findet das Tanz-, Musik- und Performance Festival „Inversion“ in der Marienkirche statt. An sechs Abenden von Mai bis Oktober zeigen Antje Jetzky und Ulrich Wedlich verschiedene Stücke.

Das Inversion-Festival vereinigt Musik, Tanz und Performance. Foto: privat
Das Inversion-Festival vereinigt Musik, Tanz und Performance. Foto: privat

S-Süd - Seit mehr als drei Jahren versuchen Antje Jetzky und Ulrich Wedlich, eine dauerhafte Spielstätte für ihre Musik- und Theaterproduktionen zu finden. Durch Zufall ist Jetzky in Kontakt mit dem Pfarrer der katholischen Kirche St. Maria in der Tübinger Straße gekommen. „Die Kirche ist teilweise so leer bei den Gottesdiensten, irgendwie tot“, sagt Jetzky. Deshalb habe sie angefragt, ob sie die Marienkirche als Schauplatz für ihr Musik-, Tanz- und Theaterprogramm nutzen könne. So ist die Reihe „Inversion“ entstanden, ein kleines Festival im Süden. Ziel von Jetzky und Wedlich war auch, die Kirche, die durch die zahlreichen Neubauten in ihrer Umgebung etwas in den Hintergrund geriet, wieder zu beleben. „Wir wollten quasi die Energie und die Bewegung aus der Umgebung in die Kirche bringen“, sagte Jetzky.

Am 17. Mai ist die Auftaktveranstaltung

Zum zweiten Mal und bis zum Herbst findet das Festival in diesem Jahr in der Marienkirche statt. Die Auftaktveranstaltung ist am 17. Mai unter dem Titel „Small Duo meet Rite of Change“. Das Stück „Rite of Change“ hat Jetzky gemeinsam mit der Choreografin Petra Stransky als Wandel-Performance an die Kirche angepasst. „Das Publikum wandelt mit uns mit“, kündigt Jetzky an, die gemeinsam mit Ulrich Wedlich das Festival künstlerisch leitet. Small Duos sind Gitarren-Miniaturen für zwei Gitarristen. Interpretiert werden sie an diesem Abend in der Marienkirche vom Komponisten Ulrich Wedlich selbst und seinem Sohn, dem Künstler und Gitarristen Leonardo Wedlich Rios. Rite of Change soll eine Reise durch die Wandlungsstufen der chinesischen Elemente Holz, Wasser, Metall, Erde und Feuer sein.

Im ersten Schritt hatten die beiden Künstler Jetzky und Wedlich geschaut, welche Konzepte sie interessieren. „Dann haben wir überlegt, was in die Kirche passt“, sagt Jetzky. Abgesehen vom August wird die Kirche nun von Mai bis Oktober einmal im Monat von den Künstlern bespielt. „Vorher und nachher geht leider nicht. Dann ist es in der Kirche einfach zu kalt“, so die Künstlerin.

Im Juni bringen die Künstler mit „Move Design“ Farbe in die Kirche, der Juli und der September stehen im Zeichen des „Inversion Band Projekts“, einem Ensemble, das Songs aus den Musik- und Theaterstücken von Wedlich und Jetzky neu interpretiert und musikalisch in Szene setzt. Beenden wollen die beiden die Inversion 2014 mit der medialen Tanz-Revue „Superschwestern“, welche auch schon im vergangenen Jahr aufgeführt worden ist.

Bewegung dahin bringen, wo keine ist

Der Name Inversion bedeutet Umkehrung. „Wir wollen Bewegung dahin bringen, wo bisher keine ist“, erklärt Jetzky den Namensursprung. Zudem sei die Marienkirche umgekehrt gebaut. Der Chor, welche in Kirchen normalerweise nach Osten zeige, sei nach Westen gebaut. „Das ist ein Zeichen“, sagt Jetzky und lacht.

Die sechs Veranstaltungen, zu denen eventuell noch eine siebte im Rahmen der Stuttgart Nacht kommt, sind für die beiden künstlerischen Leiter ein großer Aufwand. „Da steckt viel, viel Ehrenamt drin“, sagt Jetzky. In diesem Jahr könne man es sich zum ersten Mal leisten, den beteiligten Künstlern eine minimales Honorar zu bezahlen. Unterstützt wird die Truppe zudem vom Bezirksbeirat mit 2400 Euro und zu einem geringen Teil von der Kirche. Warum sie es trotzdem machen? „Warum macht man Kunst?“ antwortet Jetzky mit einer Frage und fügt gleich hinzu: „Weil man nicht anders kann.“ In der Kunst sei es ja leider häufig so, dass der Aufwand nicht im Verhältnis zum Ertrag stehe. „Aber wir beschäftigen uns mit diesen Dingen ja so oder so“, sagt sie.

Auch andere sind auf die Idee gekommen, die Marienkirche als Ort für Kunst und Kultur zu nutzen. So fand das erste Freikonzert des gleichnamigen Vereins von Reiner Bocka dort statt. Pfarrer Paul Kugler befand an dem Abend, dass ein bisschen Trubel seiner Kirche ganz gut tut.

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