Die Bauarbeiten für das millionenschwere Projekt der Evangelischen Altenheimat haben begonnen.

Die Bagger rollten schon vor Wochen an, eine Baugrube war längst ausgehoben, als sich jetzt die Beteiligten zur Grundsteinlegung für ein Projekt trafen, das seit einigen Jahren in Wimsheim auf der Agenda steht. Mitten in einem Wohngebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern entsteht ein Pflege- und Wohnprojekt mit 30 Pflegeplätzen und 20 barrierefreien Wohnungen.

 

Der Bürgermeister Mario Weisbrich brachte es auf den Punkt, als er sagte: „Wir sind sehr glücklich und auch stolz, dass wir in einer der kleinsten Gemeinden des Enzkreises heute mit der Grundsteinlegung einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge unserer Bevölkerung starten können.“ Zwar können Wimsheimerinnen und Wimsheimer mit Pflegebedarf im Haus Heckengäu in Heimsheim unterkommen, doch am Ort selbst gibt es keine Möglichkeit zur stationären Pflege.

10 Millionen Euro für altersgerechtes Wohnen in Wimsheim

Dies ändert sich nun. Nach den Vorstellungen der Bauherren, der Evangelischen Altenheimat mit Sitz in Stuttgart, sollen Anfang 2027 die beiden Gebäude, die am Lerchenweg 14 entstehen, bezugsfertig sein. Die Weisenburger Bau GmbH als Generalunternehmer errichtet sie. Dann ist ein Prozess zu Ende, der um 2018 mit dem Gedanken an „Wohnen und Leben im Alter“ in der Gemeinde begonnen hat. Damals zeichnete sich ab, dass die DRK-Rettungswache auf dem 2600 Quadratmeter großen Grundstück in neue Räume an anderer Stelle umziehen kann, was dann 2023 geschah.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Planungen für eine Pflegeeinrichtung in der rund 2900 Einwohner zählenden Gemeinde schon konkret geworden. Mit der Evangelischen Altenheimat war nicht nur ein Investor, sondern auch ein Träger für die künftige Einrichtung gefunden. Apropos Investment: Erst auf Nachfrage warf der Vorstand und Geschäftsführer Peter Oberdörfer die Zahl von rund zehn Millionen Euro in den Raum, die die Stiftung Evangelische Altenheimat in Wimsheim investieren wird.

Corona und Krieg brachten das Projekt ins Wanken

Im Herbst 2020 wurden die Pläne im Gemeinderat vorgestellt. Die Corona-Pandemie und dann auch der starke Anstieg der Baukosten in der Folge des Ukraine-Krieges ließen den Neubau zunächst ein Stück weit wie einen Traum erscheinen, so Peter Oberdörfer. Doch die Altenheimat hielt am Projekt fest, intensive Planungen folgten, schließlich wolle man auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen, die hier leben sollen.

„Wir haben zeitgleich sogar eine Anfrage von einer Gemeinde hier ganz in der Nähe nach einer solchen Einrichtung abgelehnt“, sagte die Altenheimat-Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin Gabriele Blume mit Blick auf die hohen Kosten. Weil es keine Förderung vom Land mehr gebe, würden die Kosten auf den Schultern der Unterstützungsbedürftigen abgeladen.

Neue Technik zur Sturzerkennung

Die neue Einrichtung, die ein „intergeneratives, inklusives, pflegenahes Wohnen“ ermöglichen soll, wie es der Betreiber formuliert, verteilt sich auf zwei Gebäude. Begonnen wird mit dem kleineren, das 11 Wohnungen von 20 bis 70 Quadratmeter Größe umfasst. Dort sollen speziell auch jüngere Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen etwa durch multiple Sklerose oder einen Schlaganfall leben können. In dem zweiten, größeren Gebäude befinden sich weitere neun Wohnungen sowie 30, etwa 20 Quadratmeter große Einzelzimmer für Pflegebedürftige. Im Rahmen eines Forschungsprojekts soll es überhaupt zum ersten Mal in den Räumen Sensoren zur Sturzerkennung geben, kündigte Gabriele Blume an.

Großer Moment: Der Grundstein wird gelegt. Foto: Simon Granville

Seit 2008 betreibt die Altenheimat das Schwester-Karoline-Haus im Nachbarort Friolzheim. Die dortige Einrichtungsleiterin soll auch die Standortverantwortliche für Wimsheim werden. Bereits jetzt gehen bei der Gemeinde Wimsheim immer wieder Anfragen von Interessenten für sich selbst oder ihre Angehörigen ein, sagt die Hauptamtsleiterin Katrin Hölle auf Nachfrage. Die leitet sie aber direkt an die Altenheimat weiter.

Frühere Dienstbotin als Ideengeberin

Vor 150 Jahren gründeten und bauten die ehemalige Dienstbotin Wilhelmine Metzger als Ideengeberin und der Theologe und Politiker Philipp-Paulus in Fellbach ein Haus für nicht mehr arbeitsfähige Dienstbotinnen, die im Alter oft auf fremde Hilfe angewiesen waren. Die Dienstbotenheimat war entstanden. 1927 wurde daraus die Evangelische Frauenheimat, als das Haus nun ebenfalls anderen alleinstehenden Frauen offenstand. Seit 1974, als auch Ehepaare und Männer in die inzwischen mehreren Häuser aufgenommen wurde, firmiert die Einrichtung als Evangelische Altenheimat. Die gleichnamige Stiftung ist Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg, Träger von 16 Häusern in der Region Stuttgart und beschäftigt rund 1200 Mitarbeitende.