Investitionen in Instandhaltung Deutsche Bahn will ICE-Ausfälle verringern

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Die Deutsche Bahn baut die überlasteten Reparaturwerke für die Fernzugflotte für 500 Millionen Euro aus. Denn aufgrund von Schäden sind viele Züge oft nicht einsetzbar.

Die Bahn baut ihre ICE-Instandhaltungswerke aus: Hier ein Hubwagen im ICE-Werk Langenfelde auf einem Instandhaltungsgleis. Foto: dpa
Die Bahn baut ihre ICE-Instandhaltungswerke aus: Hier ein Hubwagen im ICE-Werk Langenfelde auf einem Instandhaltungsgleis. Foto: dpa

Berlin - Die Deutsche Bahn AG baut sieben ihrer elf ICE-Werke zur Instandhaltung für mehr als 500 Millionen Euro aus. Tausend Mitarbeiter werden zusätzlich eingestellt, die Hälfte davon ist bereits an Bord. So will der Staatskonzern die Pünktlichkeit und Verfügbarkeit seiner Fernzugflotte erhöhen, die seit Jahren durch viele technische Störungen und Ausfälle beeinträchtigt wird.

„Mit dem Ausbau der Werke setzt die DB an der richtigen Stelle an“, erklärte der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, im Werk Hamburg-Langenfelde. DB-Vorstand Berthold Huber sprach von einem wichtigen Baustein auf dem Weg, die Fahrgastzahlen im Fernverkehr zu steigern. 2030 soll die Flotte 260 Millionen Passagiere befördern, doppelt so viele wie 2015. So sehen es die neue DB-Strategie „Starke Schiene“ und der Koalitionsvertrag der Regierung vor.

Die ältesten ICE-Züge sind bald 30 Jahre alt

Interne Dokumente und Berichte von Lokführern zeigen, wie überfällig der Ausbau ist. Demnach gibt es immer mehr Ausfälle bei der betagten Flotte. Die ältesten ICE-Züge sind bald 30 Jahre alt und sollen nach Modernisierungen weiter bis 2030 im Einsatz bleiben. Auch der neue ICE 4 macht mit zahlreichen Kinderkrankheiten einige Probleme. Die Reparaturwerke platzen deshalb aus allen Nähten, zumal lange Zeit ein strikter Sparkurs galt. Man müsse Störungen an Fahrzeugen „deutlich schneller in den Griff kriegen“, heißt es in internen Strategiepapieren.

Nun steuert die DB-Spitze um. Allein in Berlin sollen bis 2023 rund 189 Millionen Euro in den Ausbau des Werks Rummelsburg fließen und im zweiten Abschnitt bis 2026 weitere 77 Millionen. Dazu sollen laut internen Unterlagen die Hallen verlängert und die Zahl der Arbeitsstände für den ICE 4 bis 2021 um zehn auf 21 erhöht werden. Die 13-teilige Version des Zugs ist 373 Meter lang. Für die Hamburger Werke in Eidelstedt und Langenfelde sind in zwei Abschnitten bis 2025 zusammen 170 Millionen Euro vorgesehen. In Köln-Nippes wurde bereits für 220 Millionen Euro ein neuer Standort fertig, zudem wird in Frankfurt (43), Basel (14) und Hannover (4) erweitert.

An Arbeit fehlt es nicht. Laut der vertraulichen „Agenda für eine bessere Bahn“ von DB-Chef Richard Lutz gab es 2018 bis September allein 152 Ausfälle und Teilausfälle von ICE und IC-Zügen, 20 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr. Auch aktuell berichten Lokführer, dass in den Werken kaum noch Platz sei, weil ständig Züge auch unfallbedingt repariert werden müssen. Im Schnitt dauerte es voriges Jahr 58 Tage, bis ein ICE wieder die Werkstatt verließ. 2015 waren es noch 86 Tage, bis 2023 sollen es nur noch 41 Tage sein.

Immer mehr Ersatzteile aus dem 3-D-Drucker

Dafür sollen Prozesse verstärkt optimiert und automatisiert werden, dazu läuft das nicht unumstrittene Konzernprogramm OPEX. Da oft fehlende Ersatzteile die Reparatur stark verzögern, wird ein spezielles Logistikzentrum aufgebaut. Zudem sollen mit 3-D-Druckverfahren immer mehr Teile selbst hergestellt werden. Inzwischen werden bereits 120 unterschiedliche Ersatzteile schnell und günstig digital produziert, darunter im Metalldruck bis zu 17 Kilo schwere Sicherungsteile für den ICE und Radsatzlagerteile, die bisher bis zu zwei Jahre Lieferzeit hatten. Sabina Jeschke, im DB-Vorstand für Technik und Digitalisierung zuständig, will bis 2021 rund 10 000 verschiedene Ersatzteile über 3-D-Druck in den zwölf großen Instandhaltungswerken abrufbar machen. So sollen Züge schneller wieder einsatzfähig sein.

Der Instandhaltungsaufwand wachse durch die ICE-Modernisierung und die deutliche Alterung der Flotte, heißt es in den internen Strategiepapieren. Die 58 ICE 1 sollen ab Herbst aufgemöbelt werden, das Redesign des letzten Zug bis Ende 2023 abgeschlossen sein. Die DB erweitert gleichzeitig ihre Fernzugflotte bis 2024 um rund 200 Züge, darunter 137 neue ICE 4. Davon sind bisher 25 Züge unterwegs, seit dieser Woche nimmt die DB nach einem monatelangen Streit um Mängelbeseitigung wieder Fahrzeuge von Siemens ab.