Die Welle der Empörung schlug vor knapp einem Jahr hoch. Der VfB Stuttgart präsentierte in Winamax einen Wettanbieter als Trikotsponsor. Ein seriöses Unternehmen mit Hauptsitz in Paris, wie die Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten betonten. Dennoch mussten sich der Vorstandschef Alexander Wehrle und der Marketingvorstand Rouven Kasper einer Wertedebatte stellen. Der neue Partner passe schlichtweg nicht zum VfB, meinten viele Fans ungehalten. Geld hin oder her. Und auch die Porsche AG, damals angehender Investor der VfB AG, distanzierte sich deutlich.
Diese Haltung herrscht noch immer vor. Selbst wenn die Aufregung sich mit jedem Tor, das die Stuttgarter erzielten, und jedem Sieg, den sie in der Vorsaison gefeiert hatten, gelegt hat. Der sportliche Erfolg überdeckt vieles und eine Vizemeisterschaft lässt manches vergessen. Doch zuletzt hat den VfB sein Verhältnis zu Glücksspielunternehmen erneut eingeholt.
Ein sensibles Thema
Zurückhaltend wurde die Partnerschaft mit Lucky Block nur über den japanischen X-Kanal kommuniziert. Weil sich die Zusammenarbeit auf den ostasiatischen Raum beschränkt. Zudem ist man sich an der Mercedesstraße der Sensibilität des Themas in der eigenen Region durchaus bewusst. Dennoch schwappte die Nachricht herüber, was unter VfB-Fans zu verärgerten Reaktionen in den sozialen Medien führte – und diese kamen auch in Zuffenhausen an, dem Machtzentrum der Porsche AG.
Dort sitzen Lutz Meschke und Albrecht Reimold, Vorstandsmitglieder des Sportwagenherstellers, in ihren Büros. Gleichzeitig gehören sie dem Aufsichtsrat der VfB AG an, womit die Irritationen auf höchster Ebene beginnen. Denn der Deal mit dem sogenannten Bitcoin-Casino war dem Kontrollgremium zunächst nicht bekannt. Was sich mit dem Hinweis erklären lässt, dass der überschaubare Umfang des Geschäfts nicht durch den Aufsichtsrat zustimmungspflichtig war.
Doch so einfach ist es dann nicht. Gerade die Porsche-Vertreter hätten es als wichtig empfunden, vorher in Kenntnis gesetzt zu werden, aber nicht nur sie. Zumal es zu Beginn der vergangenen Spielzeit Unmut wegen einer Winamax-Anzeige im Stadionheft gab. Es war eine Assoziation zwischen den besten Autobauern (den VfB-Investoren Mercedes und Porsche) und dem Anbieter für Sportwetten hergestellt worden.
Für Meschke und Co. ging das gar nicht und der Porsche-Finanzvorstand äußerte sich gegenüber unserer Redaktion anschließend deutlich: „Was beim VfB rund um das Thema Glücksspiel in den letzten Monaten passiert ist, hat uns nicht gefallen.“ Diese Branche entspreche nicht dem „Wertegerüst“ von Porsche-Chef Oliver Blume und ihm, seinem Stellvertreter. Schon damals mussten die Wogen geglättet werden und auch jetzt gab es ein Telefonat zwischen Meschke und dem VfB-Marketingvorstand Rouven Kasper. Kritische Fragen wurden gestellt – und Position bezogen.
Das steckt hinter dem Deal
Auf Nachfrage äußert sich der VfB nicht zu den internen Abläufen im Aufsichtsrat, lediglich zum frisch abgeschlossenen Sponsoring. „Die Zusammenarbeit mit Lucky Block gilt für ein Jahr und ist regional auf den asiatischen Markt begrenzt, und nur dort ist die Werbung sichtbar und wirksam“, sagt ein VfB-Sprecher. Dabei geht es vor allem um virtuelle Bandenwerbung, die während der Übertragung von Heimspielen eingeblendet wird. In Deutschland wird der Schriftzug des Glücksspielunternehmens jedoch niemand sehen können. Auch auf anderen Kanälen wird Lucky Block nicht auftauchen.
Den Erklärungen und der Internationalisierung der Stuttgarter zum Trotz will sich Porsche nicht mit der Glücksspielbranche in Verbindung bringen lassen. Auch nicht in Asien, wo das Wetten zum Alltag gehört. Nach Informationen unserer Redaktion wird Meschke das Thema in der nächsten Aufsichtsratssitzung ansprechen. Die Stoßrichtung ist dabei klar: Es soll grundsätzlich an einem anderen Ansatz bei der Gewinnung von Sponsoren gearbeitet werden, ohne Glücksspielunternehmen.
Zumal zu den Clubpartnern des VfB noch Jokerstar zählt. Ein Unternehmen aus Oberschwaben, das virtuelle Automatenspiele anbietet. Mit Winamax läuft die Zusammenarbeit bis 2026, für jährlich 8,5 Millionen Euro. Gutes Geld, das der VfB auch dafür verwendete, Spieler zu halten. Nach Informationen unserer Redaktion besteht jedoch die Möglichkeit, nach zwei Jahren aus dem Vertrag mit dem Wettanbieter auszusteigen. Doch dafür müsste zunächst eine starke Alternative her.